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"Wider den tierischen Ernst": Jürgen Rüttgers singt Disco-Klassiker

VON DDP-KORRESPONDENT MARKUS PETERS - zuletzt aktualisiert: 31.01.2010 - 10:01

Aachen (RPO). Für sein wohl bedeutendstes karnevalistisches Ehrenamt ist Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sogar unter die Sänger gegangen. Am Samstagabend wurde Rüttgers in Aachen zum 60. Träger des Ordens "Wider den tierischen Ernst" gekürt, um kurz darauf die rund 1300 Gäste des Eurogress mit einer besonderen musikalischen Einlage zu überraschen. Mit beachtlicher Inbrunst sang er auf die Melodie des "Village People"-Klassikers "YMCA": "Wir sind so gerne hier in Nordrhein-Westfal'n"!

Ehe der Ministerpräsident für seinen Vortrag in den Narrenkäfig geschickt wurde, sorgte ein gemischtes Programm aus Aachener Künstlern und überregionalen Entertainern für Abwechslung. RTL-"Dschungelkönigin" Désirée Nick lieferte als Berliner "Tempelluder" Nofretete etliche Pointen, als sie über die neue "politische Krabbelgruppe im Bundestag" lästerte und sich gründlich an prominenten Damen wie Victoria Beckham oder Amy Winehouse abarbeitete. Der derzeit allgegenwärtige Eckart von Hirschhausen sorgte mit seiner Charakterstudie früherer Ordensträger für Heiterkeit.

Hinter den Kulissen war im Vorfeld der Fernsehsitzung einiges geändert worden. Unzufrieden mit der Qualität des Programms, den Kosten und der Einschaltquote hatte der WDR als verantwortliche ARD-Anstalt auf Änderungen gedrängt. Nun organisierte erstmals eine erfahrene Produktionsfirma die technische und organisatorische Abwicklung der Show, während dem Aachener Karnevalsverein (AKV) die Hoheit über das Programm blieb. Damit wollte der WDR nicht zuletzt die exorbitanten Kosten der Festveranstaltung in den Griff bekommen, die nach Angaben des Senders bislang die teuerste Karnevalssendung in seinem Programm war.

Info
Der Aachener Orden "Wider den tierischen Ernst" ist der wohl einzige Orden, der nicht für, sondern gegen (wider) etwas verliehen wird. Die karnevalistische Auszeichnung ist gleichzeitig ein bundesweit anerkannter Kulturpreis, der seit 1950 an Persönlichkeiten vergeben wird, die ihr Amt mit "Menschlichkeit und Humor" ausüben. 

Prominente Träger des Ordens sind unter anderen Hans-Dietrich Genscher, Edmund Stoiber, Guido Westerwelle und Friedrich Merz. Im vergangenen Jahr wurde der Schauspieler Mario Adorf ausgezeichnet. Nach Überzeugung der Aachener Karnevalisten handelt es sich bei der Ordensverleihung um einen "närrischen Staatsakt".

Die neue Handschrift brachte mehr Schwung in die Show, zeigte aber auch deutlich, dass viele Aachener Karnevalisten beim Vortrag und der Pointendichte ihre Schwächen haben.

Jürgen Rüttgers sei ein "Freund des Wortes und des feinen Humors", begründete der AKV-Präsident Horst Wollgarten die Auszeichnung des CDU-Politikers, die nicht unumstritten war. Manch einem Aachener Jecken war es suspekt, dem Ministerpräsident drei Monaten vor der Landtagswahl ein so illustres Forum zu bieten. Wollgarten wies die Bedenken zurück, beim Urnengang würden die Bürger wohl längst nicht mehr an die Ordensverleihung denken. Dennoch blieben einige SPD-Honoratioren der Zeremonie bewusst fern.



Vorjahresordensträger Mario Adorf riet seinem Nachfolger in der Laudatio, er solle sich unbedingt seinen Humor bewahren, denn den würde er angesichts der anstehenden Landtagswahl noch brauchen.

In Aachen war Rüttgers nicht zum ersten Mal in der Verlegenheit, vor karnevalistischem Publikum einen launigen Vortrag halten zu müssen. Daher griff er bei seiner Dankesrede auf einige Pointen zurück, die sich bei früheren Gelegenheiten schon bewährt hatten. So schilderte er selbstironisch, wie der Verstand und die Leber eines pflichtbewussten Landesvaters zu Karnevalszeiten aufs Äußerste beansprucht werden. Das führt dann dazu, dass er nicht mehr ganz nüchtern irrtümlich sogar die Oppositionsführerin abzuschleppen versucht. Das Aachener Publikum war entzückt.

Die Aufzeichnung der Ordensverleihung wird am Montag (1. Februar, 20.15 Uhr) in der ARD ausgestrahlt. Damit entscheidet sich auch die Zukunft der Aachener Fernsehsitzung, denn der WDR erwartet einen Marktanteil ungefähr in Höhe der 13 Prozent des Vorjahres. Falls diese Marke verfehlt wird, drohen der Abschied von der bundesweiten Sendung und der Abstieg ins WDR-Fernsehen. Das würde nicht nur auf die Laune der Sponsoren drücken, die für den AKV so wichtig sind. Ob der gut aufgelegte Ministerpräsident für ausreichend Quote sorgt, bleibt also abzuwarten.

Das Saalpublikum scheint mit der aufgefrischten Show insgesamt recht zufrieden gewesen zu sein. Allerdings fragten sich mehrere Besucher, was das MDR-Fernsehballett, Désirée Nick und Eckart von Hirschhausen eigentlich mit dem ursprünglichen Aachener Karneval zu tun haben. Auch wurde mehrfach gerügt, dass der AKV vielleicht zulasten seiner regionalen Wurzeln zu viele Konzessionen an seinen Fernsehpartner gemacht hat.


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Quelle: DDP/fb

 
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Autor: DakriegichdenBlues | 31.01.10 17:12 (1/10)
@Kellermeister
Klasse Satire wieder einmal. Vielen Dank Kellermeister. Wir haben uns beim Lesen ihres Kommentares vor Lachen fast auf dem Boden gerollt. ''Bodenständige Volkstümlichkeit'', ''intellektuell-rhetorische...
Kommentar lesenswert? (12)   Weiterlesen und bewerten

Autor: subjektiver Beobacht | 31.01.10 14:32 (2/10)
Hoffentlich singt er auch im Mai nach den Landtagswahlen!
Ich hätte da persönlich schon einen Titelwunsch, den ich ihn gerne am Wahlabend singen hören würde: ''Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei, jawoll mein Schatz, es ist vorbei ...'' Aber...
Kommentar lesenswert? (9)   Weiterlesen und bewerten

Autor: Kellermeister | 31.01.10 14:18 (3/10)
Hervorragende Leistung
Unser Ministerpräsident Prof. Dr. Jürgen Rüttgers hat einmal mehr seine charismatische Mischung aus intellektuell-rhetorischer Brillianz und bodenständiger Volkstümlichkeit bewiesen. Die hohe...
Kommentar lesenswert? (33)   Weiterlesen und bewerten

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