Köln (RPO). Linksextreme Demonstranten haben im Rahmen der Großdemonstration gegen den rechten "Anti-Islamkongress" in Köln die Polizei angegriffen. Die militanten Gewalttäter versuchten einem Beamten die Schusswaffen zu entwenden. Es fliegen Steine und Knallkörper.
Die Polizei habe auf den Angriff mit einem Schlagstockeinsatz reagiert und "die Lage im Griff", hieß es weiter. Die Zahl der dabei Verletzten war zunächst noch unklar. Weitere Beamte wurden laut Polizei mit Steinen und einem Knallkörper beworfen. Dabei sei ein Polizist verletzt worden.
Am Vormittag strebten zudem etliche Tausend friedliche Bürger in die Kölner Innenstadt, um sich an Protesten gegen einen von Rechten organisierten Anti-Islamismus-Kongress zu beteiligen. Teile der Kölner Altstadt wurden von der Polizei nahezu völlig abgeriegelt. Zu den Protesten wurden mehrere zehntausend Menschen erwartet. Militante Gegendemonstranten wollten auch den zentralen Heumarkt blockieren, auf dem Rechtspopulisten und Rechtsradikale aus mehreren europäischen Ländern am Mittag eine Kundgebung abhalten wollten.
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte die Demonstranten zuvor aufgerufen, friedlich zu bleiben. "Ich appelliere an die Teilnehmer, friedlich zu protestieren", sagte Rüttgers den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" vom Samstag. "Es ist ein wichtiges Zeichen, dass so viele Menschen in Köln gegen die Rechtsextremen demonstrieren", fügte er hinzu. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Deutschland radikalisiert und gespalten wird."
Immer mehr Demonstranten sammeln sich in Köln seit dem frühen Samstagmorgen gegen eine von der rechtspopulistischen Bürgerbewegung "Pro Köln" geplanten Kundgebung. In der Innenstadt kam es nach Augenzeugenberichten am Vormittag zu ersten Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Autonomen. Die Bereitschaftspolizei setzte Tränengas ein, um einen von linken Demonstranten eingekreisten Sympathisanten von "Pro Köln" zu befreien. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt.
Seit mehreren Stunden blockieren hunderte Demonstranten sämtliche Zugänge zum Heumarkt in der Kölner Altstadt, wo "Pro Köln" ab 12.00 Uhr eine Kundgebung im Rahmen ihres zweitägigen sogenannten "Anti-Islamisierungskongresses", der am Freitag begann, abhalten wollte.
Bereits am Freitagabend hatten mehrere hundert Mitglieder der linksautonomen Szene in Köln demonstriert. Dabei wurden Feuerwerkskörper geworfen, und es gingen Glasscheiben zu Bruch. Nach Angaben der Polizei wurden mehrere Personen zur Feststellung der Personalien festgenommen. Zwei Beamte mussten sich mit Augenreizungen in ambulante Behandlung begeben. Die Nacht sei hingegen ruhig verlaufen.
"Pro Köln" wird seit mehreren Jahren unter dem "Verdacht einer rechtsextremistischen Bestrebung" im NRW-Verfassungsschutzbericht aufgeführt. Kritiker sehen in dem Kongress die größte rechte Kundgebung in Köln seit Kriegsende, bei der unter dem Deckmantel der Islamkritik Stimmung gegen Ausländer gemacht werden soll. Anlässlich der Kundgebung von "Pro Köln" am Mittag wird mit mehreren Gegenkundgebungen gerechnet, bei denen bis zu 40 000 Teilnehmer erwartet werden. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (beide CDU) riefen zu friedlichen Protesten auf.
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Quelle: afp