Köln (RPO). Köln im Ausnahmezustand. Vor der für Samstag geplanten "Anti-Islamisierungs-Konferenz" prägen schwarzgekleidete Demonstranten und Polizeihundertschaften das Stadtbild. Als sich die Veranstalter vom "Bürgerbündnis Pro Köln" auf das Rheinschiff "Moby Dick" begeben, hagelt es Steine und Farbbeutel. Es folgte eine Irrfahrt auf dem Rhein.
Kurzfristig hatte das rechtspopulistische "Bürgerbündnis Pro Köln" zur Pressekonferenz anlässlich seiner "Anti-Islamisierungs-Konferenz" zu einer Pressekonferenz auf das Rheinschiff "Moby Dick" geladen. Doch trotz allem Bemühen um Geheimhaltung war der Termin linken Gegendemonstranten nicht verborgen geblieben. Als Journalisten und "Pro Köln"-Funktionäre an Bord gehen wollten, hagelte es Pflastersteine und Farbbeutel. Nachdem zwei der Panoramascheiben der "Moby Dick" splitterten, ließ der Kapitän überstürzt ablegen, sodass das Gros der eingeladenen Journalisten dem blaulackierten Wasserfahrzeug nur hinterher sehen konnte.
Es folgte eine Irrfahrt auf dem Rhein. Mehrere Stunden dümpelte die "Moby Dick", eskortiert von zwei Polizeibooten, ziellos durch den Hafen in Köln-Niehl, ehe die "Pro Köln"-Funktionäre wieder an Land gehen konnten. Eine Stadtrundfahrt durch sogenannte "Kölner Problemstadtteile" mit hohem Migrantenanteil, die Pro Köln im Anschluss vorgesehen hatte, war da von der Polizei schon aus Sicherheitsgründen verboten worden. Unter anderem wollten die rechten Funktionäre auch vor der Deutschlandzentrale der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) in Stadtteil Ehrenfeld Station machen, wo die umstrittene Großmoschee gebaut werden soll.
Dort hatten sich seit dem Morgen mehrere Hundert Gegendemonstranten zu einer Menschenkette versammelt. Der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD) sorgte am Megafon immer wieder dafür, dass die buntgemischte Schar bei Laune bliebt: "Ehrenfeld ist bunt statt braun. Wir können niemanden gebrauchen, der hier im 'Veedel' auf Hass und Diskriminierung setzt."
Studenten, Kaufleute und Unternehmer, Deutsche, Türken und Afrikaner plauderten bei dem milden, sonnigen Herbstwetter vor der Moschee. Ein Polizeisprecher schilderte die Atmosphäre als "entspannt". "Ich finde es gut, dass die Deutschen und die Türken hier gemeinsam gegen Rechts stehen", sagte Student Karim Dusal. Ditib-Geschäftsführer Mehmet Yildirim bezeichnete die "Pro Köln"-Konferenz als "billige Propaganda": "Wir wollen doch nur ein Gotteshaus für uns, so wie Juden und Christen, offen und transparent."
Trotz der gewalttätigen Zwischenfälle will "Pro Köln" wie geplant am Samstag eine Großkundgebung in der Kölner Altstadt abhalten. "Wir werden der Gewalt nicht weichen", erklärte ein Sprecher. Die Kölner Polizei hat bereits mehrere Tausend Bereitschaftskräfte zusammengezogen. Sie rechnet mit mehreren Zehntausend Gegendemonstranten.
Die Kölner Polizei rechnet für Samstag mit zu 40 000 Teilnehmern bei Demonstrationen gegen den von der rechtspopulistischen "Bürgerbewegung Pro Köln" geplanten "Anti-Islamisierungskongress". Das zweitägige Treffen von Rechtsradikalen aus allen Teilen Europas hatte am Freitag in Köln begonnen. Am Samstag (12.00 Uhr) soll es eine Kundgebung von "Pro Köln" mit bis zu 1500 Teilnehmern in der Kölner Altstadt geben. "Pro Köln" wird seit mehreren Jahren unter dem "Verdacht einer rechtsextremistischen Bestrebung" im NRW-Verfassungsschutzbericht aufgeführt.
Kritiker sehen in dem Kongress die größte rechte Kundgebung in Köln seit Kriegsende, bei der unter dem Deckmantel der Islamkritik Stimmung gegen Ausländer gemacht werden soll. Deshalb haben Vertreter von Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Gruppen zu Gegendemonstrationen aufgerufen.
Unter dem Motto "Wir stellen uns quer - Kein Rassismus in Köln" wollen unter anderen Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) und weitere prominente Kölner vor dem Dom demonstrieren, dort, wo "Pro Köln" zunächst seine Kundgebung abhalten wollte.
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