Interview: Schweinegrippe: "Virus kann zulegen"

zuletzt aktualisiert: 18.08.2009 - 07:20

(RP) Jörg Hacker, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, glaubt, dass die Strategie gegen das Schweinegrippe-Virus in Deutschland wirksam ist. Doch eine Entwarnung möchte er nicht geben. Der Erreger könnte sich mit der Zeit immer besser an den Menschen anpassen.

Mit dem Schulstart in NRW wächst die Sorge um eine weitere Ausbreitung der Schweinegrippe. Schließlich sitzen nun die Kinder zusammen, die zum Teil aus Urlaubsländern wie Spanien zurückgekehrt sind. Und der Erreger könnte sich noch besser an den Menschen anpassen, sagt der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker.

Wird das neue Grippe-Virus noch aggressiver werden?

Hacker Diese Viren haben von Hause aus ein relativ instabiles Erbgut, so dass sie sich stets verändern können. Es kann also sein, dass das Virus in seiner krank machenden Wirkung nochmals zulegt. Zudem besteht die Gefahr, dass das Virus sein Erbgut mit dem Erbgut anderern Viren mischt. Bislang ist dies aber weltweit nicht geschehen.

Kann das Virus auch noch ansteckender werden?

Hacker Es ist möglich, dass sich das Virus noch besser an den Menschen anpasst. Die Tatsache, dass wir Grippe-Ansteckungen im Sommer haben, zeigt aber, dass das Virus bereits sehr gut von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

In Deutschland ist das Grippe-Geschehen deutlich geringer als in Spanien oder Großbritannien. Sind die Deutschen besonders diszipliniert im Umgang mit der Ansteckungsgefahr?

Hacker Die Strategie zur Grippebekämpfung in Deutschland ist gut und wird von der Bevölkerung akzeptiert, das hilft, die Verbreitung zu verzögern. Die Behandlung infizierter Personen und das Kontaktpersonen-Management greifen gut. So ist es ja beispielsweise in Düsseldorf gelungen, den Ausbruch der neuen Grippe in einem japanischen Kindergarten zu begrenzen. In Spanien und Großbritannien war die Ausgangssituation anders, dort gab es sehr früh durch Reiserückkehrer vom amerikanischen Kontinent hohe Fallzahlen.

Wie werden sich die Fallzahlen in Deutschland weiter entwickeln?

Hacker Im Moment haben wir täglich rund 500 bis 700 zusätzliche Fälle. Davon sind rund 80 Prozent Reiserückkehrer. Ich gehe davon aus, dass diese konstante Entwicklung noch bis zum Ende der Urlaubszeit anhält. Mit dem Beginn der Grippesaison im Herbst/Winter könnten wir aber auch steigende Fallzahlen bekommen.

Sollte man von Reisen in stark betroffene Länder absehen?

Hacker Das muss jeder selbst entscheiden. Aber Hygienemaßnahmen zu beachten, ist in diesen Ländern sicher zu empfehlen. Dort sollte man auch große Menschenansammlungen vermeiden.

Das neue Virus wird mit der spanischen Grippe von 1918/19 verglichen. Wo gibt es Parallelen?

Hacker Bei beiden Grippeviren handelt es sich um das H1N1-Virus. Eine der großen Leistungen der Molekularbiologie ist es, dass das Genom des Virus der spanischen Grippe rekonstruiert werden konnte. Allerdings haben wir es heute mit einem eher milden Krankheitsverlauf zu tun. Insgesamt scheint das neue Virus aber weniger aggressiv zu sein als das der spanischen Grippe.

Müssen wir künftig häufiger mit Pandemien rechnen?

Hacker Zwei Umstände machen Pandemien möglich. Zum einen verändern sich Infektionserreger laufend und bringen immer wieder neue Varianten hervor. Zum zweiten werden diese Erreger durch unsere Lebensart schnell verbreitet. Die Pest hat im Mittelalter fünf Jahre gebraucht, bis sie vom Mittelmeer nach Skandinavien gelangt ist. Bei der neuen Grippe hat es fünf Tage gedauert, bis sie von Mexiko nach Deutschland gekommen war.

Bereitet es Ihnen Sorgen, dass es Resistenzen gegen das Grippemittel Tamiflu gibt?

Hacker Momentan sind das noch Einzelfälle. Es ist aber möglich, dass sich solche resistenten Varianten durchsetzen und verbreiten. In Deutschland haben wir bislang keine Resistenzen gefunden.

Müssen schon jetzt weitere Impfdosen für die gesamte Bevölkerung geordert werden?

Hacker Das ist eine Entscheidung der Länder. Es ist sinnvoll, zunächst Gruppen wie das medizinische Personal und chronisch Kranke zu impfen. Grundsätzlich ist es aber zu begrüßen, wenn alle, die geimpft werden wollen, auch eine Impfung bekommen können.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus Südamerika gewonnen?

Hacker Dort beobachtet man zum Beispiel, dass die saisonalen Grippe-Stämmen von der neuen Grippe verdrängt werden. Das könnte im Herbst und Winter auch in Deutschland passieren.

Sind denn diejenigen vor der neuen Schweine-Grippe ausreichend geschützt, die schon eine saisonale Impfung haben?

Hacker Anfangs hatte man vermutet, dass es einen Schutz geben könnte. Doch die bisherigen Untersuchungen haben ergeben, dass dies nicht der Fall zu sein scheint.

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Quelle: RP

 
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Autor: donnervogel5051 | 18.08.09 13:37 (1/4)
Schweinegrippe ''Virus kann zulegen''
das werden die , sämtliche Öffentlich Rechtliche einschließlich Regierung gar nicht erst zugeben wie hoch die Zahlen tatsächlich sind . Daß der Impfstoff aus Krebszellen hergestellt ist ,...
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Autor: Ulenspiegel | 18.08.09 09:42 (2/4)
Anpassung
''Der Erreger könnte sich mit der Zeit immer besser an den Menschen anpassen.'' Ich habe mich an die neue Weltordnung dadurch angepaßt, daß ich mich gegen die geistige Vermüllung abgeschottet...
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Autor: FrauInkognito | 18.08.09 08:40 (3/4)
???
Niemand weiß, was richtig und falsch ist. Aber jeder will mitreden.
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