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Abschiebung eines jungen Afghanen
Bezirksregierung legt Beschwerde gegen Freilassung ein

Nürnberg: Berufsschüler wehren sich gegen Abschiebung
Nürnberg: Berufsschüler wehren sich gegen Abschiebung FOTO: dpa, pr bl fdt
Nürnberg. Im Streit um die Abschiebung des Afghanen Asef N. in Nürnberg erhöht die Bezirksregierung den Druck. Sie legte eine Beschwerde gegen die Entscheidung des Amtsgericht ein, den 20-Jährigen aus der Abschiebehaft zu entlassen. Der Schulleiter der Nürnberger Berufsschule kritisiert den Polizeieinsatz.

Im Fall des eskalierten Abschiebeversuchs eines 20 Jahre alten Afghanen in Nürnberg sieht die zuständige Bezirksregierung keinen Grund für Gnade. Am Freitag legte sie Beschwerde gegen eine Entscheidung des Amtsgerichts ein, den jungen Mann aus der Abschiebehaft zu entlassen. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von einer Sprecherin. 

300 Berufsschüler hatten am Mittwoch gegen die Abschiebung ihres Klassenkameraden protestiert. Mit Sitzblockaden versuchten sie zu verhindern, dass die Polizei ihn abtransportieren konnte. Dann eskalierte die Situation. Die Polizei berichtete später, sie habe nur unter Einsatz von Pfefferspray und durch körperlichen Zwang die Mitnahme des Afghanen durchsetzen können.

Der Polizeieinsatz habe "viel Integrationsarbeit" zerstört, kritisierte der Direktor der Berufsschule 11, Michael Adamczewski. Im Unterricht werde das Thema Flucht und Integration immer wieder thematisiert. "Das Verhalten der Polizei war da extrem kontra-produktiv."

Die Sitzblockade sei von der Schülervertretung ausgegangen, berichtete Adamczewski. "Dazu gehört hohe Courage." Der Schulsprecher habe die Aktion beenden wollen und den Mitschülern zugerufen, den Streifenwagen freizugeben. Danach seien Polizeibeamte aber auf die Schüler eingestürmt. "Die Situation hätte auch ganz anders, friedlich beendet werden können."

Herrmann macht Linksextreme für Eskalation verantwortlich

Am Mittwoch waren Polizisten kurz nach Schulbeginn in die Schule gekommen, um den 20 Jahre alten Asef N. abzuholen. Er sollte noch am selben Abend mit dem Flugzeug in seine Heimat abgeschoben werden. Mitschüler setzten sich vor den Streifenwagen, hinderten die Beamten an der Abfahrt. Danach kam es zu tumultartigen Szenen mit bis zu 300 Demonstranten.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) machte die linksautonome Szene verantwortlich. Personen aus der linkextremistisch-autonomen Szene hätten gezielt die Polizei angegriffen. 

Das örtliche Amtsgericht lehnte am Donnerstag die von der Zentralen Ausländerbehörde der Regierung von Mittelfranken beantragte Abschiebehaft ab. Asef N. ist deshalb wieder auf freiem Fuß.

Schulleiter nimmt Asef N. in Schutz

Adamczewski beschrieb Asef N. als zuverlässigen Schüler. Der Afghane habe an diesem Freitag einen Probetag bei einem Schreinerbetrieb absolvieren wollen, um eine Lehre beginnen zu können. Der 20-Jährige hatte nach Angaben des Schulleiters 7000 Euro an Schleuser bezahlt, um nach Deutschland zu kommen. Seine Flucht im Jahr 2012 dauerte zwei Monate. "Er will arbeiten, damit er seinen Unterstützern etwas zurückzahlen kann, die ihm das Geld damals geliehen haben", sagte Adamczewski.

Der Afghane soll bei dem Polizeieinsatz mit Rache gedroht haben. Als Polizisten ihn von einem von Demonstranten umstellten Streifenwagen in ein in der Nähe stehendes Polizeifahrzeug bringen wollten, habe er wütend gerufen: "Ich bin in einem Monat wieder da. Und dann bringe ich Deutsche um", hatte der Nürnberger Polizeidirektor Hermann Guth am Donnerstag berichtet.

"So eine Aussage, wenn sie gefallen ist, muss man natürlich im Kontext der Situation sehen", sagte Adamczewski. Der junge Afghane habe drei Stunden in einem aufgeheizten Streifenwagen verbracht, um ihn herum die Tumulte.

Asef N. soll sich entschuldigt haben

Laut "Focus online" soll sich der Heranwachsende mittlerweile für die Anschlagsdrohung gegenüber der Polizei entschuldigt haben. Das Online-Portal zitierte aus einer schriftlichen Stellungnahme seiner Betreuerin, wonach sich Asef N. nicht mehr daran erinnern könne.

"Durch die Sitzblockade und die sich daraus entwickelnden chaotischen Ereignisse geriet er selbst in einen emotionalen Ausnahmezustand", heißt es demnach in der Erklärung. Sollte er aber solch eine Drohung ausgestoßen haben, "so tut es ihm leid und er entschuldigt sich dafür. Jedenfalls würde er niemals den Bewohnern des Landes, das ihn aufgenommen und ihm Schutz gegeben hat, Schaden zufügen."

(wer/dpa)
 
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