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Trauerfeier nach Großbrand: Abschied in Ludwigshafen

zuletzt aktualisiert: 10.02.2008 - 15:02

Ludwigshafen (RPO). Nach dem verheerenden Brand mit neun Toten sind in Ludwigshafen tausende Menschen zusammengekommen, um Abschied von den Opfern zu nehmen. An dem Zaun, der die Brandruine umgibt, sind unzählige Kränze zu sehen.

Eine Woche nach der Brandkatastrophe in Ludwigshafen haben am Sonntag mehrere Tausend Menschen Abschied von den neun Toten genommen. An der Trauerfeier vor dem ausgebrannten Wohnhaus nahmen neben Angehörigen der allesamt türkischen Opfer und zahlreichen Bürgern auch Politiker aus Deutschland und der Türkei teil. Sie riefen zu einem stärkeren Miteinander von Deutschen und Türken auf. Die Ermittlungen zur Brandursache wurden unterdessen am Wochenende fortgesetzt. Medienberichte nährten Spekulationen über einen technischen Defekt.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich etwa 4500 Menschen an der interreligiösen Trauerfeier, die meisten von ihnen Türken. Die Särge mit den Opfern waren vor der Brandruine aufgebahrt. Hinterbliebene schritten dort entlang, um ihre Toten zu beklagen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), erinnerte in ihrer Ansprache insbesondere an die fünf getöteten Kinder, "die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten". Mit Blick auf das Zusammenleben von Türken und Deutschen sagte sie, von Ludwigshafen sollte eine "Botschaft des Brückenbauens und des gegenseitigen Vertrauens" ausgehen.

Für die türkische Regierung nahm der Staatsminister für die im Ausland lebenden Türken, Mustafa Said Yazicioglu, an der Feier teil. Er rief dazu auf, das traurige Ereignis für einen "Neubeginn" der deutsch-türkischen Freundschaft zu nutzen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) versprach den Hinterbliebenen, "alles zu tun, damit aufgeklärt wird, wie dieser Brand geschehen konnte".

Alle neun Opfer des Wohnhausbrandes sind türkischer Herkunft. Ihre Leichen sollten noch am Sonntag von Frankfurt aus zur Beerdigung nach Anatolien übergeführt werden. Wodurch das verheerende Feuer, bei dem auch 60 Menschen verletzt worden waren, ausgelöst wurde, blieb weiter unklar. Zu den in Presseberichten verbreiteten Hinweisen auf eine technische Brandursache äußerte sich die Polizei nicht. Ein Polizeisprecher deutete jedoch an, dass die Öffentlichkeit in den kommenden Tagen über den aktuellen Ermittlungsstand informiert werden soll.

Die jüngsten Spekulationen kamen unter anderem durch einen "Spiegel"-Bericht auf, wonach die Ermittler den Brandherd im Keller des Hauses vermuten. Ein älterer Bewohner soll bei seiner polizeilichen Vernehmung angegeben haben, dass zu Beginn des Feuers die Kellertür und eine Wand zum Keller in Flammen standen. Den Keller konnten die Ermittler am Wochenende erstmals betreten. Spuren eines Brandbeschleunigers fanden sie offenbar nicht.

Der Zeuge soll außerdem Zweifel an der Aussage der beiden Mädchen geweckt haben, die einen unbekannten Mann im Flur beim Zündeln beobachtet haben wollen. Dem Medienbericht zufolge haben außerdem eine Angehörige der Opfer und ein früherer Mieter angegeben, dass die Elektrik des Brandhauses in einem maroden Zustand gewesen sei.

In türkischen Medien war wiederholt über einen fremdenfeindlichen Anschlag spekuliert worden. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bemühte sich am Wochenende weiter um eine Versachlichung der Debatte. Es dürften keine voreiligen Schlüsse über die Ursachen gezogen werden, mahnte Erdogan.

Quelle: ap

 
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