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Bücherverbrennung aus "Betroffenheit"
Absurde Aussagen beim "Anne Frank"-Prozess

Anne Frank: Ihr Leben in Briefen
Anne Frank: Ihr Leben in Briefen FOTO: AFP
Magdeburg (RPO). Sieben junge Männer haben bei einer Sonnwendfeier in Sachsen-Anhalt ein Exemplar des Tagebuchs der Anne Frank verbrannt. Ihre Aussagen beim Prozess wegen Volksverhetzung steuern in absurde Richtungen. Er habe sich aus schierer Betroffenheit über das Buch symbolisch von dem bösen Kapitel der deutschen Geschichte befreien wollen, behauptete ein Angeklagter.

Die sieben Angeklagten hätten den "kulturellen Teil" der Tanzveranstaltung zur Sommersonnwende übernommen, führte die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn aus. Die jungen Männer seien Mitglieder des "Heimatbundes Ostelbien".

An einem Holzstapel hätten sie unter anderem «deutsche Jugend und deutsches Blut» beschworen und mit Fackeln das Feuer entzündet, wie Staatsanwalt Arnold Murra in der Anklageschrift erklärte.

Auf die Aufforderung, «Artfremdes dem Feuer zu übergeben», sei zuerst eine Flagge der USA und dann eine Taschenbuchausgabe des Tagebuchs der Anne Frank ins Feuer geworfen worden.

Der 24-jährige Angeklagte Lars K. erklärte zur Anklage, das Tagebuch habe auch ihn betroffen gemacht. Er habe das Buch nicht ins Feuer geworfen, um das Schicksal von Anne Frank zu verharmlosen. Vielmehr habe er sich symbolisch von einem «bösen Kapitel» der deutschen Geschichte befreien wollen.

Dazu habe er sich allein, ohne Absprache mit den anderen Angeklagten entschlossen. Das sei «gründlich schief gegangen», das Missverständnis tue ihm unendlich leid.

Gemeinsam vorbereitet wurde nach seinen Worten lediglich die eigentliche Zeremonie um das Feuer. Dass auch Nazis derartige Worte gebraucht und Bücher verbrannt hatten, habe er nicht gewusst, behauptete der junge Mann.

Ein weiterer Angeklagter gab ebenfalls durch seinen Verteidiger zu, die US-Fahne ins Feuer geworfen zu haben, weil er damit seinen inneren Protest gegen die Aggressionspolitik der USA zum Ausdruck bringen wollte. Auch er stellte die Aktion als Alleingang dar.

Insgesamt müssen sich sieben Männer im Alter zwischen 24 und 29 Jahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener vor dem Amtsgericht Schönebeck verantworten. Wegen des großen Medieninteresses findet die Verhandlung im Landgericht Magdeburg statt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, mit der Buchverbrennung die nationalsozialistische Gewaltherrschaft verherrlicht sowie die Verfolgung europäischer Juden im Dritten Reich verharmlost beziehungsweise geleugnet zu haben.

(apbackup)
 
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