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Schweinegrippe: Ärzte suchen Freiwillige für Impftests

zuletzt aktualisiert: 25.07.2009 - 15:40

München (RPO). Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Schweinegrippe schreitet voran. Voraussichtlich im Oktober sollen 50 Millionen Portionen eines Impfstoffes in Deutschland zur Verfügung stehen. Ärzte an deutschen Kliniken suchen nun Freiwillige für Tests mit dem neuen Impfstoff - darunter auch Kinder. Experten bewerten den Impfcocktail bisher als heikel.

Ärzte an deutschen Kliniken suchen Kandidaten für Tests mit dem Schweinegrippe-Impfstoff. Die Sprecherin des Impfstoff-Herstellers Glaxo (GSK), Daria Munsel, sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus" nach einem Vorabbericht vom Samstag, die Zulassungsstudien sollten ab September an mehreren hundert Personen durchgeführt werden, darunter auch an Kindern.

Die Auswahl der Versuchspersonen nähmen ausschließlich die Ärzte an den Studienzentren vor. Der Hersteller Novartis hat dem Magazin zufolge in anderen EU-Ländern bereits mit klinischen Studien begonnen.

Als heikel bewerten Experten die wirkungsverstärkenden Zusätze in dem Impfcocktail (Adjuvantien). Mit diesen Präparaten soll es wenig Erfahrung geben. Für die Vorabzulassung des Impfstoff-Prototyps, durch die das jetzige Verfahren verkürzt wird, wurden demnach nur Erwachsene getestet.

Der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg sagte dem Blatt: "Der Pandemie-Impfstoff könnte bei Kindern möglicherweise mehr Nebenwirkungen verursachen als der saisonale Grippeimpfstoff."

Inszwischen sind laut Robert-Koch-Institut rund 3000 Schweinegrippe-Fälle in Deutschland gemeldet worden. Dabei erwartet das Robert-Koch-Institut nun täglich 400 bis 600 neue Erkrankungen. Weltweit sind bereits 130.000 offiziell registriert, bis zu zwei Milliarden könnten es nach Schätzung der WHO in den kommenden zwei Jahren werden. Mit einer 700 Millionen teuren Impfkampagne soll die Ausbreitung des H1N1-Virus' gebremst werden. Doch wie diese durchgeführt werden soll, ist offenbar noch offen.

Wer soll die Kosten tragen?

Nachdem Thüringen stellvertretend für alle Bundesländer bereits für rund 600 Millionen Euro Impfstoff bestellt hat, sind laut einem "Spiegel"-Bericht die Bedingungen der für Oktober geplanten Impfaktion völlig unklar.

Nach den Plänen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) müssten die gesetzlichen Krankenkassen chronisch Kranke über ihren Anspruch auf eine Impfung informieren. Doch zum einen lägen den Kassen keine Daten über Chroniker wie HIV-Infizierte, Fettleibige oder Leberkranke vor, die in der Impfverordnung genannt würden. Zum anderen dürften sie aber auch vorhandene Informationen etwa zu Diabetikern oder Herzkranken nach Einschätzung von Experten wegen des strengen gesetzlichen Schutzes von Sozialdaten nicht ohne weiteres nutzen.

Zudem droht laut "Spiegel" Streit um die Kosten der Aktion. Die Kosten für Impfstoff und Impfung, die die Kassen übernehmen sollten, lägen nach Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums bei 14 Euro pro Person - allerdings nur, wenn die Gesundheitsämter die Impfungen koordinierten und sie somit nicht in Arztpraxen vorgenommenen würden. Dies sei aber ebenso offen wie die Frage, wer für Lagerung und Transport der Impfstoffe sowie die Information der Bürger aufkomme.

"Da stehen noch harte Verhandlungen an", wird der thüringische Gesundheitsstaatssekretär Falk Oesterheld zitiert.

Quelle: DDP/jre/rm

 
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