Gentests an Embryonen: Ärztekammer: PID medizinisch nicht notwendig
zuletzt aktualisiert: 23.04.2011 - 11:02Osnabrück (RPO). Die Präimplationsdiagnostik (PID) ist nach Ansicht der Bundesärztekammer medizinisch nicht notwendig. "Wir begeben uns auf die schiefe Ebene, wenn wir anfangen, jeden nur erdenklichen Wunsch in der Medizin mit technischen Mitteln zu erfüllen," sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, in einem Interview.
Es sei nicht gut, mit allen Tricks zu versuchen, auch Paaren mit schweren Erbkrankheiten in der Familie unbedingt ihren Kinderwunsch zu erfüllen, sagte Montgomery der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und wehrte sich damit gegen massenhafte Gentests an künstlich erzeugten Embryonen.
"Wille Gottes"
Montgomery sagte, es sei eine Kernfrage, ob die Gesellschaft noch den Mut habe, jemandem "klar zu sagen, dass der liebe Gott vielleicht nicht gewollt hat, dass er weitere Kinder bekommt". Viele Ärzte seien aus grundsätzlichen ethischen oder religiösen Überlegungen Gegner der Präimplantationsdiagnostik (PID), sagte er weiter.
Die Bundesärztekammer wolle deshalb verhindern, "dass die PID zum massenhaft eingesetzten Instrument der Qualitätssicherung wird". Ziel sei es, zu erreichen, dass es bei wenigen Fällen bleibe, "die der Bundestag hoffentlich so präzise wie möglich beschreibt".
Die Abgeordneten beraten seit Donnerstag vergangener Woche über eine Regelung für die PID. Denn bisher war die PID in Deutschland verboten. Der Bundesgerichtshof hat im Juli vergangenen Jahres das Verbot jedoch faktisch aufgehoben. In bestimmten Fällen ist die PID seitdem zulässig. Im Bundestag beraten die Parlamentarier über drei verschiedene Gesetzesentwürfe zur PID.
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