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Afrikanische Schweinepest
Bauernverband fordert Tötung von 70 Prozent aller Wildschweine

Afrikanische Schweinepest: Bauernverband fordert Tötung von 70% aller Wildschweine
Wildschwein (Archiv). FOTO: Franz-Heinrich Busch
Exklusiv | Berlin. Der Bauernverband befürchtet, dass sich die Afrikanische Schweinepest in Deutschland ausbreitet. Vizepräsident Schwarz will das durch einen radikalen Abschuss der Wildschweine verhindern. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt unterstützt den Vorstoß. Von Kristina Dunz und Laura Ihme

Als Vorbeugung gegen die sich in Osteuropa ausbreitende Afrikanische Schweinepest dringt der Bauernverband auf den Abschuss von 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland. Dafür müsste die Schonzeit ausgesetzt und die Tötung auch von Muttertieren und Frischlingen flächendeckend erlaubt werden, sagte Verbands-Vizepräsident Werner Schwarz unserer Redaktion. Um wie viele Tiere es sich handelt, konnte er nicht sagen. Er verwies aber darauf, dass es allein in Berlin 3000 bis 8000 Wildschweine in der Stadt gebe.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) unterstützt den Vorstoß. "Um das Ziel der Bestandsreduzierung zu erreichen, müssen auch die Schonzeiten für Wildschweine aufgehoben werden", sagte er auf Anfrage. Mehrere Bundesländer, darunter NRW, haben bereits zugestimmt. Schwarz stellt am Freitag in Berlin mögliche Präventionsmaßnahmen vor. Trete nur ein Fall der ASP-Seuche auf - etwa im Rheinland -, führte das in ganz Deutschland zu einer Sperre für den Export, mahnte er. "Der Schweinefleischpreis könnte dadurch um bis zu 30 Prozent fallen. Das wären Milliardenverluste für die Fleischindustrie."

Schmidt betonte, dass gerade nach Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland viele Saisonarbeiter und Pflegekräfte aus Osteuropa kämen. "Diese sollten sensibilisiert werden, dass sie keine Rohfleischwaren aus dem Osten mitbringen." Der ASP-Erreger befinde sich häufig auf rohem oder geräuchertem Fleisch. Würden Essensreste achtlos weggeworfen, könnten Wildschweine sie fressen. "Der Zipfel einer infizierten Wurst aus Osteuropa reicht aus, um Tiere anzustecken."

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland mahnte, durch den Abschuss von Wildschweinen werde die Population nicht kontrolliert, weil die Tiere viel Futter und Unterschlupf vor allem durch die 2,5 Millionen Hektar Maisfelder fänden, die oft zur Energiegewinnung in Biogasanlagen genutzt werden. Bauern sollten vermehrt andere Pflanzen anbauen. James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund mahnte: "Es ist nicht tragbar, dass man die Schonzeit aufhebt."

Bauern-Vertreter Schwarz sagte hingegen, das Tierleid bei einer Jagd sei deutlich geringer als durch die Pest. "Die Schweine verenden elendig." Der politische Anreiz für Maisanbau sei schon gedeckelt worden. Schweinehaltende Betriebe sollten künftig für Reinigung und Desinfektion von Transportern sorgen. Das koste Geld. "Aber ein Ausbruch der Seuche würde sehr viel teurer."

Quelle: RP
 
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