Airbus vermisst: Air France: 26 Deutsche unter den Opfern
zuletzt aktualisiert: 01.06.2009 - 22:43Paris (RPO). Die Hoffnung auf ein Wunder schwindet. Ein Airbus der Air France ist über Nacht vom Radar verschwunden und vermutlich über dem Atlantik abgestürzt. 228 Menschen waren an Bord, darunter 26 Deutsche, wie die Fluggesellschaft am Abend bekanntgab. Die Maschine war offenbar in eine Gewitterfront geraten. Daraufhin brach der Funkkontakt ab.
Wie ein Sprecher der Fluggesellschaft unserer Redaktion mitteilte, waren 26 Deutsche unter den Opfern. Unter den 228 Passagieren und Besatzungsmitgliedern waren außerdem 61 Franzosen und 58 Brasilianer, hieß es. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der sich in Prag aufhielt, sagte, er könne nur bestätigen, dass Deutsche an Bord der Maschine gewesen seien, zur genauen Zahl könne er keine Angaben machen.
Nach Informationen des SWR befanden sich unter den Passagieren der Unglücksmaschine fünf Menschen aus Stuttgart und Umgebung: eine Frau, deren Eltern, die Schwester sowie deren zweijährige Tochter, schreibt der Sender auf seiner Internetseite. Die Angehörigen seien am Montag auf dem Flughafen Stuttgart von einem DRK-Notfallteam psychologisch betreut worden, hieß es.
Hotline für Angehörige
Am Flughafen wurde ein Krisenstab eingesetzt und eine Betreuung für Angehörige eingerichtet. Die Gesellschaft richtete eine Telefonhotline ein, die vom Ausland aus unter 0033 157 021 055 erreicht werden kann.
Alles spricht dafür, dass der Airbus über dem Atlantik abgestürzt ist. 228 Menschen waren an Bord. In dem aus Brasilien kommenden Flugzeug seien auch mehr als 60 Franzosen gewesen, hieß es in Paris. Der Großteil der Fluggäste stammt offenbar aus Brasilien. Laut Air France wurde die Maschine, die am Vormittag in Paris landen sollte, vermutlich vom Blitz getroffen und hatte darauf Probleme mit der Elektrik.
Wahrscheinlich ein Blitzschlag
"Wir sehen uns wahrscheinlich einer Luftfahrtkatastrophe gegenüber", erklärte Air-France-Generaldirektor Pierre-Henri Gourgeon am Nachmittag. "Das gesamte Unternehmen ist bei den Familien und teilt ihren Schmerz." An Bord der A330 mit der Flugnummer AF 447 waren laut Air France 216 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder. Das im brasilianischen Rio de Janeiro gestartete Flugzeug hätte um 11.10 Uhr MESZ auf dem Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle eintreffen sollen.
Die Annahme eines Blitzschlages sei "die wahrscheinlichste", sagte Air-France-Sprecher François Brousse. "Das Flugzeug ist in eine Gewitterzone mit starken Turbulenzen geflogen, die Funktionsstörungen verursacht haben." Eine automatisch abgesetzte Botschaft habe um 04.14 Uhr MESZ "eine gewisse Anzahl von Fehlern gemeldet", darunter einen "Defekt im Stromkreis", sagte Brousse. Gegen 8 Uhr morgens gab es dann keine Spur von dem Flugzeug, als es sich wieder dem Festland hätte nähern müssen. Während des Flugs über das offene Meer gibt es üblicherweise keinen Radarkontakt, weil die Entfernung zu groß ist.
Es muss sehr schnell abgelaufen sein
Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte nach einem Treffen mit Angehörigen am Flughafen, die Hoffnung, Überlebende zu finden, sei "sehr gering". Er sprach am der größten Katastrophe in der Geschichte von Air France. Die Fluglinie ließ das unkommentiert. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso schickte am späten Abend ein Beileidsschreiben an die Präsidenten Frankreichs und Brasiliens.
Der Vize-Chef des französischen Raumfahrtzentrums CNES, Philippe Hazane, sagte AFP, Satelliten hätten keine Notsignale der Maschine aufgefangen, was für eine "sehr schnelle" Katastrophe spreche.
Am Flughafen Roissy wurden ein Krisenstab eingesetzt und eine Betreuung für Angehörige eingerichtet. Angehörige wurden in einen abgeschirmten Bereich gebracht. "Ich habe eine Freundin, die auf der verunglückten Maschine war", sagte der Brasilianer Luis Carlos Machado: "Ich bin sehr traurig." Auch am Flughafen in Rio warteten Dutzende Menschen auf Nachrichten. "Meine Tochter ist im Flugzeug", sagte eine Brasilianerin aufgelöst.
Erfahrener Pilot
Brasilianische und französische Luftwaffe starteten Suchflüge über dem Atlantik. Laut dem brasilianischen Luftfahrtexperten Gustavo Adolfo Franco Ferreira dürfte die Maschine sich zur Zeit des Gewitters maximal 300 Kilometer östlich der Insel Fernando de Norohna im Atlantik mit Kurs Richtung Afrika befunden haben. Dass dem Piloten noch eine Notwasserung geglückt sein könnte, sei angesichts der beschriebenen Probleme mit der Elektronik "wenig wahrscheinlich".
Der Pilot hatte laut Air France 11.000 Stunden Flugerfahrung und 1700 auf diesem Typ von Maschine. Das Flugzeug ist seit April 2005 im Dienst und war zuletzt am 16. April technisch überprüft worden.
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