Protest gegen "Tatort"-Folge: Aleviten kündigen Großdemo in Köln an
zuletzt aktualisiert: 28.12.2007 - 08:06Berlin (RPO). Die Aleviten haben für Sonntag eine Großdemonstration in Köln angekündigt. Damit wollen sie gegen eine Folge des NDR-"Tatorts" protestieren, durch die sich die Gemeinschaft diffamiert sieht. Bei dem Krimi vom 23. Dezember geht es um Inzest.
Der Protest der islamischen Gemeinschaft der Aleviten gegen die "Tatort"-Folge "Wem Ehre gebührt" wird schärfer. Alevitische Verbände kündigten für kommenden Sonntag eine Großkundgebung in Köln mit 20.000 bis 30.000 Teilnehmern an. Bei der Berliner Polizei erstatteten Aleviten Anzeige wegen Volksverhetzung gegen die ARD und den verantwortlichen Sender NDR. Vor dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin demonstrierten am Donnerstag rund 300 Aleviten friedlich gegen die Ausstrahlung der Sendung.
Der Protest richtet sich vor allem gegen die Darstellung der Aleviten in dem am 23. Dezember ausgestrahlten "Tatort" von Drehbuchautorin und Regisseurin Angelina Maccarone. Darin ermittelt die Schauspielerin Maria Furtwängler als Hauptkommissarin Charlotte Lindholm in Hannover und Lüneburg in einem fiktiven Fall von Inzest in einer alevitischen Familie.
"Damit hat man unserer Auffassung nach die Würde der alevitischen Gemeinde in Deutschland verletzt", kritisierte Deniz Han vom Kulturzentrum Anatolischer Aleviten auf der Kundgebung in Berlin. Sie forderte eine Entschuldigung und Wiedergutmachung durch die ARD. Zahlreiche Kundgebungsteilnehmer zeigten Plakate hoch, auf denen Artikel eins des Grundgesetzes ("Die Würde des Menschen ist unantastbar") abgedruckt war.
Aleviten seien wegen "solch unhaltbarer Vorwürfe" jahrhundertelang verfolgt worden, sagte Han mit Blick auf die Inzest-Handlung des Films. Sie bedauerte, dass "dieser Beitrag unsere Aufklärungsarbeit um einiges zurückgeworfen hat".
"Das ist eine sehr ernste Sache, was hier passiert", sagte das Vorstandsmitglied des Kulturzentrums Anatolischer Aleviten, Dogan Azman. Für die geplante Protestveranstaltung am 30. Dezember in Köln seien bereits Busse gechartert worden. Man rechne auch mit Teilnehmern aus Österreich und der Schweiz. "Das bleibt jetzt nicht bei der ARD", sagte Azman.
Die Alevitische Gemeinde Deutschlands werde sich auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel wenden, sagte Azman. Außerdem seien Anwälte eingeschaltet worden. Man wolle unbedingt verhindern, dass Wiederholungen der Folge ausgestrahlt werden.
Ein Sprecher der Berliner Polizei erklärte, eine Anzeige der Alevitischen Gemeinde Berlin wegen Volksverhetzung sei eingegangen. Die Ermittlungen seien aufgenommen worden. Nach deren Abschluss werde die Akte an die Staatsanwaltschaft übergeben, und die entscheide, ob ein Verfahren eröffnet werde.
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bekräftigte unterdessen seine Bereitschaft zu Gesprächen mit der Alevitischen Gemeinde in Deutschland. Allerdings habe die Strafanzeige wegen Volksverhetzung eine neue rechtliche Lage geschaffen, die vor einem solchen Treffen juristisch geklärt werden müsse, teilte der Sender mit. In der "Tatort"-Folge sei es nicht darum gegangen, religiöse Gefühle zu verletzen oder Vorurteile gegen die alevitische Glaubensgemeinschaft zu untermauern.
Auch Regisseurin Maccarone verteidigte sich nach Senderangaben gegen Kritik der Alevitischen Gemeinde. Es habe ihr völlig fern gelegen, eine Minderheit wie die Aleviten so in Aufruhr zu versetzen. Wer ihre anderen Filme kenne, wisse, dass ihr daran gelegen sei, ein differenziertes Bild von Minderheiten zu zeichnen.
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