Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
           
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Rheinische Post Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Unser Bahnreporter unterwegs: Allein unter Fußball-Fans

VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 21:34

Bochum (RP). Hauptbahnhof Bochum: Rund 1000 Anhänger des Zweitligisten Hansa Rostock reisen mit der Bahn zum Zweitliga-Spiel an. Einige Chaoten darunter lösen trotz massiver Polizeipräsenz Krawalle aus – es gibt 42 Verletzte. In der Menge am Bahnsteig: Unser Bahnreporter.

Ich fühle mich wie ein Verbrecher. Mehrere Hundertschaften der Polizei, schwer gerüstet und bewaffnet, eskortieren im Blaulicht-Schein rund 1000 Fans des Fußball-Zweitligisten Hansa Rostock zum Hauptbahnhof Bochum – und ich bin mitten drin.

Die Partie beim VfL Bochum, die vorab als "Hochsicherheitsspiel" eingestuft worden war, haben die Rostocker mit 1:2 verloren, sie sind nun Tabellenletzter. Das trägt nicht zur Entspannung der Fans bei. Manche sind gar nicht ins Stadion gekommen: "Wir haben etwa 70 Personen festgesetzt, die ein bundesweites Stadionverbot haben", erklärt Polizeisprecher Guido Meng.

Auf dem Weg zum Bahnhof bleiben die meisten ruhig, doch andere gehen auf die Provokationen einiger Bochum-Anhänger ein. Plötzlich fangen die Polizisten an zu rennen, weiter vorne wogt die Menge. "Toll, Alter", sagt eine Stimme hinter mir. "Da vorne prügeln die sich, und wir sind hier hinten."

Die Polizei dokumentiert alles mit Video- und Foto-Kameras, trennt die Kontrahenten, setzt Pfefferspray ein. "Ich wünschte, wir dürften auch Pfefferspray mit zum Fußball nehmen", sagt ein Hansa-Anhänger. Die Bilanz dieses Tages: 42 Verletzte, davon fünf Polizisten und zwölf Sicherheitskräfte, 19 Personen werden in Gewahrsam genommen.

Bereits im vergangenen Juni hatte Niedersachsens Ministerpräsident Uwe Schünemann (CDU) davor gewarnt, dass die Zahl der Krawalle während der An- und Abreise zu Fußballspielen steige. In NRW sind fünf Erst-, drei Zweitligisten und unzählige unterklasssige Klubs aktiv.

An Spieltagen ist es ein gewohntes Bild, dass vermehrt Polizisten an Gleisen kontrollieren. Die Bahn versucht, Treffen von verschiedenen Fangruppen per Fahrplan zu verhindern. Dass das nicht immer klappt, zeigt unter anderem ein Fall aus dem November 2011: Anhänger der Erstligisten 1. FC Nürnberg und Mainz 05 prügelten sich auf dem Kölner Hauptbahnhof – ein Nürnberger verlor einen Arm.

Die Rostocker, die per Sonderzug nach Bochum gereist sind, werden schwer bewacht. "Diesen Ruf haben die sich aber auch jahrelang verdient", sagt ein Bochumer. "Freiburger Fans würden hier sicher anders empfangen." Ein schwarzer Pullover erhärtet diese Meinung: Auf ihm sind Polizisten stilisiert, die auf einen Fan zustürmen, der eine Fackel hält. Darauf steht: "Im Osten ist es Tradition, vor Silvester knallt es schon." Wie Beruhigend. Ebenso wie der Schlachtgesang zuvor im Stadion: "Wir werden alles zerlegen, bis wir Deutscher Meister sind."

Am Bahnhof werden die Rostocker durch einen Nebeneingang zu Gleis 6 geführt. Je enger es in den Bahnhofsfluren wird, desto größer wird das Aggressionspotenzial: Fahrgäste, die mit ihren Taschen an den Rostockern hängenbleiben, ernten böse Blicke, werden bepöbelt. Auf dem Bahnsteig beruhigt sich die Situation – die rund 150 Polizisten, die weiter Spalier stehen, tragen dazu bei.

Eine Durchsage um 16.17 Uhr könnte neuen Zündstoff bieten: "Der Sonderzug nach Rostock, Abfahrt um 16.28 Uhr, verzögert sich um 30 Minuten." Anstatt nun aufzubegehren, genießen die Hansa-Fans jedoch die Wintersonne. Wenig später wird der Grund für die Verzögerung genannt: eine "verspätete Bereitstellung" des Zuges. Das klingt seltsam, denn der Zug, der die Rostocker nach Bochum brachte, wurde in der Nähe "geparkt".

Die Verzögerung ist ärgerlich – nicht nur für die Hansa-Fans. Die Polizisten und den über uns kreisenden Hubschrauber finanziert der Steuerzahler. Wie viel der Einsatz der Beamten kostet, vermochte ein Sprecher der Bundespolizei nicht zu sagen, bezüglich des Hubschraubers konnte er aber eine Summe nennen: zwischen 3000 und 4000 Euro pro Stunde. Das sind "Mittel aus dem Bundeshaushalt, die dann verflogen werden".

Die Verspätung des Sonderzuges belastet also den Steuerzahler. Wie es dazu kommen kann, erklärt ein Bahnsprecher so: "Es kann sein, dass Regelzüge Verspätung hatten und dann vorher durchgeschleust werden mussten. Der normale Fahrplan geht nun einmal vor."

Quelle: RP/csr
Mehr zu den Themen dieses Artikels


Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung. Beachten Sie
dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Kardinal Meisner fordert Frauen zum Kinderkriegen auf

Kritik an Kanzlerin Merkel

Kardinal Meisner fordert Frauen zum Kinderkriegen auf

Der Kölner Kardinal Meisner fordert, Frauen müssten "öffentlich ermutigt werden, zuhause zu ... mehr 

Klage von Bettina Wulff wird wohl im Herbst verhandelt

Ex-First-Lady geht gegen Google vor

Klage von Bettina Wulff wird wohl im Herbst verhandelt

Die Klage von Ex-First-Lady Bettina Wulff gegen den Internet-Konzern Google wird voraussichtlich im Herbst vor Gericht kommen. Vergangene Wo ... mehr 

Videos

Video

Vorgestellt: Nashorn Kibibi aus dem Krefelder Zoo

Kibibi ist zwei Jahre alt und lebt im Krefelder Zoo. Doch lange kann sie dort nicht mehr bleiben, denn ihre Mutter ist erneut schwanger. ... mehr 

Heißluftballon in Kappadokien abgestürzt

Bei dem Unfall kam mindestens ein Tourist ums Leben. mehr 

Mehr Panorama Deutschland
Kardinal Meisner kritisiert Kanzlerin Angela Merkel.

Kritik an Kanzlerin Merkel

Kardinal Meisner fordert Frauen zum Kinderkriegen auf

Der Kölner Kardinal Meisner fordert, Frauen müssten "öffentlich ermutigt werden, zuhause zu bleiben und drei, vier Kinder auf die Welt zu bringen". Kanzlerin Angela Merkel wirft er eine falsche Strategie in der Bevölkerungspolitik vor. mehr

 

Ex-First-Lady geht gegen Google vor

Klage von Bettina Wulff wird wohl im Herbst verhandelt

 
 
 

Karneval der Kulturen in Berlin

Schön-schrill und auch noch tierlieb

 

Süden des Landes besonders betroffen

Wetterdienst warnt vor Dauerregen in NRW

Top-Services
 
Mehr Panorama
Tornados wüten im Mittleren Westen der USA
Tornados wüten im Mittleren Westen der USA
Mehrere Tornados sind durch den Mittleren Westen der USA gezogen. mehr 
 
Tornados wüten im Mittleren Westen der USA
Tornados wüten im Mittleren Westen der USA
Mehrere Tornados sind durch den Mittleren Westen der USA gezogen.
mehr 
Video zeigt Ballonabsturz in der Türkei
Video zeigt Ballonabsturz in der Türkei
Dieser Ballon ist am Montagmorgen in der Türkei ..
mehr 
2013: Berlin feiert den Karneval der Kulturen
2013: Berlin feiert den Karneval der Kulturen
Zu Pfingsten tobt in Berlin traditionell der ..
mehr 
Papst Franziskus empfängt Angela Merkel zur Privataudienz
Papst Franziskus empfängt Angela Merkel zur Privataudienz
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am ..
mehr 
Bilder des Tages
Bilder des Tages
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Hier ..
mehr 
So riesig können Karpfen werden
So riesig können Karpfen werden
Die Angel-Tragödie von Holland lässt Laien ..
mehr 
Brennende Barbies in Berlin - Proteste gegen das Barbiehaus
Brennende Barbies in Berlin - Proteste gegen das Barbiehaus
Begleitet von Protesten hat in Berlin die ..
mehr 
 
Jetzt Fan werden!

Werden Sie jetzt Facebook-Fan von RP ONLINE und verpassen Sie keine News mehr.

Jetzt Facebook-Fan werden von RP ONLINE