Umstrittene Moschee in Köln: Am Samstag geht es auf die Straße
zuletzt aktualisiert: 14.06.2007 - 10:11Köln (RPO). Am Samstag heißt es im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, Kräfte mobilisieren: Es geht um die Moschee, die gebaut werden soll. Gleich vier Kundgebungen im Zusammenhang mit dem muslimischen Gotteshaus geplant.
Die rechtspopulistische "Bürgerbewegung pro Köln" wirbt seit Wochen bundesweit für ihre "Anti-Moschee-Demonstration". Zu der Veranstaltung hat sich nun auch der Vorsitzende der rechten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Heinz-Christian Strache, als Redner angekündigt. Eine Zusage, von der "pro Köln" selbst überrascht war, wie der Vorsitzende Markus Beisicht einräumt: "Durch den Auftritt von Herrn Strache bekommt der Widerstand gegen die Islamisierung Kölns eine europäische Dimension."
In seiner Heimat war der Politiker zuletzt unter anderem wegen des Auftauchens eines Jugendvideos in die Schlagzeilen geraten, das den damals 18-Jährigen uniformiert bei einer paramilitärisch anmutenden Übung zeigte. Zu der "pro Köln"-Kundgebung werden auch Anhänger der rechten belgischen Partei "Vlaams Belang" erwartet.
Als einer der Redner neben Strache ist der Ex-Polizist und "Vlaams Belang"-Funktionär Bart Debie angekündigt, dem unter anderen Gewalt gegen Ausländer vorgeworfen wird. Bei der Polizei hat "pro Köln" rund 200 Teilnehmer angemeldet.
Zu einer Demonstration gegen die rechte Kundgebung hat ein Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Gruppen aufgerufen. "Wir wollen ein positives Zeichen für einen zivilen und konstruktiven Umgang mit dem Moscheebau setzen und so der an diesem Tag geplanten Provokation deutscher und flämischer Rechtextremisten entgegentreten", sagt der Kölner DGB-Vorsitzende Wolfgang Uellenberg-van Dawen. Er erwartet 2000 Teilnehmer bei der Veranstaltung.
Während dort prominente Vertreter von SPD, Grünen und FDP das Wort ergreifen wollen, sucht man den Vorsitzenden der Kölner CDU vergeblich auf der Rednerliste. Parteichef Walter Reinarz sagte seine Teilnahme ab, weil er nicht auf derselben Veranstaltung wie ein Ratsmitglied der "Linken" sprechen wollte.
Tatsächlich ist der Kommunalpolitiker wegen der Moscheedebatte in seiner Partei unter Druck geraten. Hatten sich die Kölner Christdemokraten zunächst uneingeschränkt für das Bauvorhaben der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) ausgesprochen, sind nun angesichts der heftigen öffentlichen Debatten Vorbehalte aufgetaucht.
"Wir führen eine offene Diskussion", sagt Reinarz und verweist auf eine Arbeitsgruppe, die für den Parteivorstand ein Positionspapier Moscheebau formuliert. Über das Ergebnis soll ein Parteitag am 14. August entscheiden. Zur Debatte steht ein Vertrag mit der Ditib, in dem die maximale Größe des Moschee-Zentrums einschließlich der Minarette, die Predigtsprache und das Verkehrskonzept der Anlage festgeschrieben werden soll. Auch gibt es offenbar einflussreiche Parteimitglieder, die sich den Bau dezenter und weniger "orientalisch" wünschen.
Kölns Oberbürgermeister und CDU-Mitglied Fritz Schramma hofft auf eine einvernehmliche Lösung. Er sei "zuversichtlich, dass der Baubeschluss von einer großen politischen Ratsmehrheit getragen wird". Gelassen bleibt auch die Kölner Polizei, die neben den beiden Großkundgebungen zwei kleinere Demonstrationen des Bündnisses "Schüler gegen Rechts" und des Antifaschistischen Bündnisses betreuen muss.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







