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Umstrittenes Angebot
Warum es bei Amazon Flüchtlingskostüme für Kinder gibt

Amazon: Darum gibt es Flüchtlingskostüme für Kinder beim Online-Händler
Bei Amazon bietet ein Händler Flüchtlingskostüme für Kinder an (Screenshot). FOTO: Screenshot Amazon
Düsseldorf . Ein Flüchtlingskostüm für Kinder? 2016 verkaufte ein Händler solche Kostüme bei Amazon. Das löste so viel Empörung aus, dass das Online-Versandhaus die Angebote entfernte. Jetzt stehen die Kostüme erneut zum Verkauf. 

Die Verkleidungen bestehen aus einem schlichten Kleid in Beige mit einem großen schwarzen Kragen für Mädchen und einem grauen Pullunder, einer braunen Pluderhose und einer Schiebermütze für Jungen. Zu beiden Kostümen gehört noch ein Koffer. "Kinder-Kostüm Flüchtling - 1./2. Weltkrieg" ist auf der Angebotsseite zu lesen. Zu kaufen ist die Kombination für knapp 17 Euro von dem Drittanbieter "sunyfashion Schaufenster".  

22 Kommentare gibt es unter dem Artikel. Der aktuellste ist von Januar 2018: "Absolut unterirdisch, dass sowas angeboten wird. Geschmacklos. Sofort rausnehmen! Schlag ins Gesicht sowas. Man sollte schon wissen, was auf seiner Plattform angeboten wird." Für Empörung sorgten die Kostüme allerdings schon 2016. Damals wurden sie von dem Händler "Fancy Me" auf Amazon verkauft. Die wütenden Kommentare unter dem Angebot häuften sich und führten schließlich zu zahlreichen Medienberichten und einem Proteststurm im Netz.  

Jetzt ist sind die umstrittenen Kostüme wieder zu finden - nur lautet der Händlername nicht mehr "Fancy Me", sondern "sunyfashion Schaufenster".

Amazon reagierte 2016 schnell und entfernte das Angebot - obwohl es bei näherer Betrachtung eigentlich keinen Grund gab, sich über die Verkleidungen aufzuregen. Wie zum Beispiel "Spiegel Online" seinerzeit in einem Beitrag argumentierte, hat das Nachstellen historischer Ereignisse in England eine lange Tradition - und aus England stammen die Kostüme offenbar. In Schulen verkleideten sich die Kinder häufig und stellten bestimmte Ereignisse nach. Eltern seien dann über Hersteller und Verkäufer wie "Cheeky Nights" und "Fancy Me" froh, weil sie es ihnen ermöglichten, die Kostüme zu kaufen, statt sie etwa selbst nähen zu müssen.  

An sogenannten "1940s Weekends" werde in Großbritannien das Leben in den Vierzigerjahren nachgestellt, heißt es in dem Beitrag. Dabei werden alle Aspekte gezeigt, also sowohl das Zivil- als auch das Kriegsleben. Bis heute werden deshalb entsprechende Kostüme verkauft - so wie jetzt bei Amazon. 

(ham)
 
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