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Amoklauf in Winnenden Panorama Einsatzkräfte, ddp 2009-0311
  Foto: ddp, ddp
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Baden-Württemberg: Amokläufer tötet 15 Menschen

zuletzt aktualisiert: 11.03.2009 - 21:43

Winnenden (RPO). Ein 17-jähriger Jugendlicher ist an einer Realschule und in einem Autohaus in der Nähe von Stuttgart Amok gelaufen. Der Täter ging mit einer großen Brutalität vor. Tim K. tötete 15 Menschen: erst in einer Schule im baden-württembergischen Winnenden, dann auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik und später in einem Autohaus in Wendlingen. Dort wurde er von der Polizei gestellt und tötete sich selbst. Zum Tatmotiv gibt es derzeit noch keine Hinweise.

Bundespräsident Horst Köhler und Ehefrau Eva Luise beteuerten ihre tiefe Verbundenheit mit den Opfern, ihren Familien und Freunden. Kanzlerin Angela Merkel und die gesamte Regierung zeigten sich "tief erschüttert und entsetzt". Dies sei "ein Tag der Trauer für ganz Deutschland".

Der Amokläufer handelte mit großer Kaltblütigkeit und Brutalität. Insgesamt feuerte der Täter mehr als 100 Schüsse ab, berichtete die Polizei am Nachmittag. Er habe allen Opfern in den Kopf geschossen, sagte ein Polizeisprecher. Offenbar suchte Tim K. die drei Klassenräume bewusst auf. Er könnte die meisten seiner Opfer gekannt haben: Die toten Schüler gehörten zur neunten und zehnten Klasse  Tim K. hatte die Schule ein Jahr zuvor verlassen. Auffallend: Die Mehrzahl der Opfer war weiblich. Ob es sich dabei nur um einen Zufall handele und man Rückschlüsse auf die Tat ziehen könne, kann die Polizei derzeit nicht sagen.

Info
Die Polizei hat eine Hotline für Schüler und Eltern eingerichtet. Unter 0711 - 904-40149 finden Betroffene bei Psychologen Hilfe.

Der Amokläufer Tim K. war am Mittwochmorgen gegen 9.30 Uhr mit einem dunklen Tarnanzug gekleidet in seine ehemalige Schule in Winnenden gestürmt. Laut Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) tötete er neun Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren sowie drei Lehrerinnen. Unter den getöteten Lehrerinnen war dem Stuttgarter Polizeipräsidenten Konrad Jelden zufolge auch eine Referendarin. Wie ein Polizeisprecher sagte, erlag eine Schülerin am frühen Mittwochnachmittag im Krankenhaus den Schussverletzungen.

Tim K. betrat drei Räume im ersten Obergeschoss. Im ersten Klassenzimmer habe es fünf Tote gegeben, sagte Rech. "Die Schüler wurden überrascht, einige hatten den Stift noch in der Hand." Danach ging der Amokläufer noch in zwei weitere Klassenzimmer, wo er wortlos mehrere Menschen erschoss. 

Die Polizei sei mit drei Beamten bereits wenige Minuten nach dem Notruf in der Schule gewesen. Sie hätten den Täter auf der Treppe noch gesehen, dann sei Tim K. geflüchtet. Der Täter war von Schülern der Albertville-Schule identifiziert worden.   

Auf der Flucht erschoss der 17-Jährige den Angaben zufolge zunächst einen Erwachsenen in der Nähe eines psychiatrischen Landeskrankenhauses. Er entführte dann ein Auto, mit dem er auf die Autobahn 81 flüchtete. Als er in einen Stau kam, zwang der Täter den Fahrer des Wagens zu wenden und die nächste Abfahrt zu nehmen. Die Flucht führte weiter über eine Landstraße, schließlich kam der Wagen von der Fahrbahn ab und landete im Morast. Der Fahrer konnte flüchten und rettete sich bei den verfolgenden Polizeiwagen. Der Täter selbst lief zu einem nahe gelegenen Autohaus in einem Gewerbegebiet.

"Er hat auf alles geschossen, was sich bewegt hat", beschreibt ein Polizeisprecher das Vorgehen des 17-Jährigen. Im Autohaus starben ein Verkäufer und ein Kunde. Dann habe es einen Schusswechsel mit der Polizei gegeben, der Täter sei weiter geflüchtet und habe sich dann vermutlich selbst erschossen. Zuvor hatte er etwa 50 Mal gefeuert. Eine 37-jährige Polizistin und ein 38-jähriger Polizist wurden bei der Schießerei zuvor schwer verletzt.

Landespolizeipräsident Erwin Hetger  sagte: "Es war ein Amoklauf in Reinkultur. Er ist mit einer Waffe in die Schule rein und hat dann das Blutbad angerichtet. So etwas habe ich noch nie erlebt." Der Täter habe noch ausreichend Munition für weitere Schüsse bei sich getragen. 

Die Polizei hatte am Nachmittag gewarnt, Autofahrer sollten in der Region keine Anhalter mitnehmen. Die gesamte Stadt wurde abgeriegelt, eine Großfahndung eingeleitet. Mehrere Polizeihubschrauber kreisten über dem Gebiet.

Wegen der Großfahndung glich Winnenden einer Festung. "Die Stadt ist nahezu abgeriegelt", sagte der Polizeisprecher. Die Realschule ist zusammen mit einem Gymnasium in einem Schulzentrum mit insgesamt 1000 Schülern untergebracht. Beide Schulen wurden geräumt. Die Schüler werden nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums medizinisch und psychologisch betreut.

Der Täter stammt den Angaben zufolge aus Weiler zum Stein, das zu Leutenbach gehört. Der Vater sei Mitglied in einem Schützenverein und besitze deshalb legal 15 Schusswaffen, eine davon sei bei einer Hausdurchsuchung des Elternhauses nicht gefunden worden.

Alle Berichte über den Amoklauf in Winnenden im Special

Quelle: AP

 
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