Ein Lehrer starb in Ludwigshafen: Amoklauf aus Wut über schlechte Noten
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 18:34Ludwigshafen (RPO). Er sei schlecht, sogar viel zu schlecht benotet worden. Das zumindest ist nach Aussage von Lothar Liebig, leitender Oberstaatsanwalt in Frankenthal, das Motiv des Amokläufers von Ludwigshafen. Darum ging der 23-Jährige auf seinen ehemaligen Lehrer zu, um ihn mit einem Messer zu töten.
"Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen Ludwigshafener, der ein Messer mit feststehender Klinge, das man vielleicht auch als Kampfmesser bezeichnen kann, und eine Schreckschusswaffe bei sich hatte", sagte Lothar Liebig bei der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag zum Amoklauf an der Technischen Berufsschule Ludwigshafen.
Zunächst habe der Tatverdächtige den Weg zur Ausbildungsstätte der Maler gesucht. Dort sei er mit dem 58-jährigen Lehrer zusammengestoßen. "Dort muss es eine körperliche Auseinandersetzung gegeben haben, darauf deutet das Verletzungsbild des getöteten Mannes hin", sagte Liebig weiter. In dem Nebengebäudes der Schule habe er dem Lehrer mindestens eine schwere Stichverletzung zugefügt. "Dort wurde er schwerstverletzt von meinen Kollegen entdeckt, starb aber wenige Minuten später", sagte Franz Leidecker. Der Lehrer wurde auf einer Toilette gefunden. Zu diesem Zeitpunkt habe er noch gelebt.
Das Opfer verstarb schließlich "im Rahmen der Reanimation", wie Polizeisprecher Norbert Steitz sagte. Nach den Angaben eines Schülers unterrichtete der Lehrer an der Berufsschule Malen und Lackieren. Ein weiterer Schüler sagte, bei der Flucht aus dem Gebäude habe er den Lehrer schwerverletzt im Treppenhaus liegen sehen.
Der verdächtige Schüler sei, so Lothar Liebig weiter, nach der Tat ins Hauptgebäude gelaufen. "In den Geschossen hat er mehrere Schüsse abgegeben und im dritten Obergeschoss versucht, ein bengalisches Feuerwerk zu zünden." So wurde schließlich der Brandalarm ausgelöst, über den die Polizei alarmiert wurde.
Als Motiv nannte Liebig niedrige Beweggründe. "Als früherer Schüler der Schule hatte er eine sehr große Wut auf den Lehrer, weil er ihm viel zu schlechte Noten gegeben habe", sagte Liebig über das Eingeständnis. Nun wird wegen Mordes ermittelt.
Erst die vier Polizeibeamten, die wegen des Verdachts eines Feuers zur Schule eilten, konnten den mutmaßlichen Täter stoppen. "Sie bekamen auf dem Weg in die Schule zugerufen, dass sich auf dem Gelände ein Mann mit Schusswaffe bewegt", sagte Franz Leidecker. Die Beamten seien ins Gebäude um den Mann zu suchen. "Man hörte Schussgeräusche und begab sich in Richtung des Herkunftsortes ins dritte Obergeschoss." Als die Polizisten den flüchtenden Mann mit einer Waffe in der Hand sahen, forderten sie ihn auf, die Waffe wegzulegen. "Er ließ die Waffe fallen, danach konnte er überwältigt und festgenommen werden."
Da nicht bekannt war, ob es sich um einen Einzeltäter handelte oder ob noch weitere im Gebäude waren, wurde die Schule geräumt und wird bis Montag geschlossen bleiben. Die Vernehmung der Zeigen dauere noch an. Am Freitag soll der 23-Jährige dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden.
Die Tat weckt Erinnerungen an den Amoklauf von Winnenden in Baden-Württemberg am 11. März 2009: An diesem Tag hatte der 17-jährige Tim K. in seiner Schule und auf seiner anschließenden Flucht 15 Menschen erschossen, ehe er selbst von der Polizei getötet wurde.
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