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Amoklauf in München
Frau reklamiert Anzeige gegen Anwohner für sich

Wer ist der Todesschütze von München?
Wer ist der Todesschütze von München? FOTO: Twitter/Screenshot
München. Nach der Anzeige gegen einen Anwohner, der den Amokläufer von München am Olympia-Einkaufszentrum beschimpft hatte, behauptet nun eine Frau in einem Youtube-Video, die Anzeige erstattet zu haben. Als Grund nennt sie den Kampf gegen Mobbing.

Bereits am 23. Juli habe sie Anzeige gegen Unbekannt wegen Beleidigung erstattet. "Und ich habe der Staatsanwaltschaft auch meinen Namen genannt, ich habe diese Anzeige nicht annonym erstattet", sagt die Frau, die laut ihrem Youtube-Profil Michelle heißt und 40 Jahre alt ist. Zuerst hatte die "Welt" über ihr Video berichtet.

Sie habe die Anzeige aufgrund der massiven Beleidigungen, die der Anwohner dem Amokläufer entgegenschleuderte, erstellt. "Das nahm ja gar kein Ende mehr", sagte die Frau. Dabei sei sie davon überzeugt, dass diese Beleidigungen den Täter, den 18-jährigen Schüler Ali David S., nur noch mehr provoziert hätten. Das Eingreifen des Anwohners sei keine Heldentat gewesen. Jeder wisse, dass man einen Menschen mit geladener Waffe nicht provozieren solle, sondern besser Ruhe bewahre.

"Täter schoss nach Beleidigungen weiter"

Mehr noch: Die Frau sieht es als bewiesen an, dass die Beleidigungen des Anwohners den Amokläufer sogar noch anstachelten, ihn dazu motivierten, weiterzuschießen. Das sei durch die im Internet kursierenden Videos belegt. Darauf ist zu sehen, wie der Täter nach dem Wortgefecht in Richtung der Balkone des Wohnhauses feuerte.

"Mobbing kann töten"

Aber auch zum Thema Mobbing äußert sich die Frau in dem mehr als acht Minuten langen Video: "Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, Mobbing kann töten", sagt sie. Zwar rechtfertige nichts die Tat des Amokläufers und auch sie sei sehr betroffen über die Tat des Schülers, dennoch habe Mobbing offensichtlich einen Einfluss auf seinen Amoklauf gehabt. Sollte sie Kenntnis darüber erlangen, dass andere Schüler, die Ali David S. gemobbt haben, Straftatbestände erfüllt hätten, würde sie deshalb auch diese anzeigen. Denn sie seien mitverantwortlich für die Geschehnisse am 22. Juli.

An diesem Tag hatte Ali David S. am Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen und danach sich selbst erschossen. Erste Ermittlungsergebnisse ergaben, dass der 18-Jährige tatsächlich starke psychische Probleme hatte, als Außenseiter galt und auch mit Mitschülern aneinandergeraten war.

Seinen Amoklauf soll er lange vorbereitet haben, so reiste er etwa bereits ein Jahr vor der Tat nach Winnenden, wo 2009 der Schüler Tim K. an der Albertville-Realschule Amok gelaufen war. Aber auch ein rechtsextremes Motiv wurde diskutiert: So soll sich S. für einen Arier gehalten haben und war ein Bewunderer des norwegischen Massenmörders Anders Breivik.

Weitere Informationen zum Amoklauf von München erhalten Sie in unserem Dossier.

 

(lai)
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