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München
Mutmaßlicher Waffenlieferant von Amokläufer gefasst

Amoklauf in München: Mutmaßlicher Waffenverkäufer gefasst
Mit einer solchen Pistole vom Typ "Glock 17" wurde der Amoklauf von München begangen FOTO: dpa, brx hpl sja
Frankfurt/München. Rund ein Monat nach dem Amoklauf von München ist der mutmaßliche Waffenverkäufer gefasst. Er soll dem 18 Jahre alten Schützen die Waffe samt Munition beschafft haben. Bei dem Zugriff in Marburg wurde auch eine Frau festgenommen.

Der 31-Jährige wurde im hessischen Marburg festgenommen, als er gerade Schusswaffen an einen Käufer übergeben wollte, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und die Ermittlungsbehörden in München mitteilten. Der Zugriff erfolgte im Zuge eines von den Ermittlern initiierten Scheingeschäfts. Auch die Lebensgefährtin wurde festgenommen. Sie trug den Ausweis des Mannes bei sich. 

Es bestehe der dringende Verdacht, dass der Mann die in München verwendete Tatwaffe samt Munition geliefert habe, hieß es in der Mitteilung. Der Kontakt zu dem mutmaßlichen Waffenhändler kam demnach über einschlägige Internetforen im sogenannten Darknet zustande, einem verdeckten Bereich des Internets.

Festnahme bei Scheingeschäft

Auf seine Spur kamen die Ermittler demnach über einen 62-jährigen Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Hessen, die ebenfalls bei dem Mann Waffen gekauft haben sollen. Im Zuge der Vorbereitung eines Scheingeschäfts der Ermittler, bei dem es unter anderem um die Lieferung einer Glock 17 gegangen sei, habe der Mann erklärt, er habe eine solche Waffe auch an den Münchner Amokschützen geliefert.

Das festgenommene Paar ging bei derartigen Geschäften offenbar mit geteilten Rollen vor: während der Waffenhändler mit Käufern zunächst das Finanzielle regelte, bestand der Part der Frau darin, die Ware zu übergeben. Die Festnahme der beiden Verdächtigen sei nach den Schilderungen der Einsatzkräfte "völlig reibungslos" verlaufen, sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft.

Der 18-jährige Amokläufer David S. hatte am 22. Juli in einem Schnellrestaurant und einem Einkaufszentrum im Norden von München neun Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Er hatte offenbar systematisch nach einer Pistole des Herstellers Glock gesucht. Kurz nach der Tat war bekannt geworden, dass die Waffe im "Darknet" gekauft worden war.

Treffen kurz vor Amoklauf

Der festgenommene mutmaßliche Waffenhändler soll dem späteren Amokschützen bei einem Treffen in Marburg am 20. Mai zunächst die Pistole Modell Glock 17 verkauft haben. Am 18. Juli, also vier Tage vor der Tat, habe er bei einem zweiten Treffen in Marburg dem Schüler 350 Patronen verkauft.

Der mutmaßliche Waffenhändler hatte bei seiner Festnahme neben der im Zuge des Scheingeschäfts bestellten Waffen - eine Glock 17 und eine Maschinenpistole - auch eine "durchgeladene Pistole zur Eigensicherung" dabei, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt weiter mitteilte. Diese kam jedoch nicht zum Einsatz. Für das Scheingeschäft war ein Gesamtpreis von 8000 Euro für die Maschinenpistole und die Glock nebst Munition vereinbart worden.

(crwo/afp)
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