| 19.52 Uhr

Gottesdienst nach Amoklauf in München
"Allah, beschütze diese schöne Stadt"

Amoklauf von München: Merkel und Gauck bei Trauer-Gottesdienst
In der Mitte spricht Dhahri Hajer vom Muslimrat München. Sie war gemeinsam mit Vertretern der griechisch-orthodoxen Allerheiligengemeinde München und der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern anwesend. FOTO: dpa, cul
München. Bei einem ökumenischen Gottesdienst haben in München Angehörige und Bürger der Opfer des Amoklaufs vom 22. Juli gedacht. Ein Appell an Allah bewegt besonders.

Mit Appellen für Frieden und religiöse Toleranz haben Angehörige und Vertreter aller Kirchen der Opfer des Amoklaufs von München gedacht. An dem ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom nahmen am Sonntag auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Geleitet wurde er vom Münchner Kardinal und Erzbischof Reinhard Marx und dem evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Ein 18 Jahre alter Amokschütze hatte am 22. Juli an einem Einkaufszentrum neun Menschen erschossen. Anschließend tötete er sich selbst.

Kardinal Marx wandte sich direkt an die Angehörigen der Opfer, sprach ihnen Anteilnahme aus und versuchte Trost zu spenden mit den Worten: "Diese Toten sind nicht ins Nichts zurückgestoßen. Sie leben." Versöhnung sei das Gebot der Stunde. Nicht das Trennende, sondern das Verbindende müsse ins Blickfeld rücken - unabhängig von Religion und Herkunft: "Was uns verbindet, ist das Mensch-Sein." Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bedford-Strohm, sprach von der Notwendigkeit eines neuen Gottvertrauens.

Bewegend war das Gebet einer Muslima. "Allah, wir bitten Dich um Hilfe für uns, unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren", sagte Dhahri Hajer vom Muslimrat München. An Allah gerichtet fügte sie an: "Beschütze diese schöne Stadt und ihre Bewohner, beschütze Deutschland." Sieben der Getöteten des Amoklaufs waren Muslime.

Bei dem anschließenden Trauerakt im bayerischen Landtag rief Bundespräsident Gauck zu mehr Aufmerksamkeit, Verständnis und Hilfe für psychisch Kranke auf. "Die Gesellschaft darf diese Menschen, gerade junge Menschen, nicht allein lassen und dulden, dass sie auf gefährliche Weise zu Randständigen werden." Die Gesellschaft müsse über die Ursachen nachdenken, die Menschen wie den Täter von München zu derart mörderischen Taten treiben.

Den Attentätern, Amokläufern und Terroristen, "die aus unseren Heimaten Orte der Furcht und des Schreckens machen wollen, werden wir eines nicht geben: unsere Unterwerfung", betonte Gauck. "Sie werden uns nicht zwingen zu hassen, wie sie hassen. Sie werden uns nicht in der Gefangenschaft immerwährender Furcht halten. Wir werden nämlich bleiben, was wir sind: eine mitmenschliche, solidarische Gesellschaft."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer betonte beim Trauerakt: "Sicherheit ist das höchste Gut einer Demokratie, die oberste Pflicht des Staates." Die Menschen hätten ein Recht darauf, dass die Politik entschlossen gegen jede Form von Gewalt und Terror vorgehe. "Die schrecklichen Attentate in Würzburg, Ansbach und München haben sich in unsere Herzen eingebrannt. Sie haben die Welt für uns verändert."

(hebu/dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Amoklauf von München: Merkel und Gauck bei Trauer-Gottesdienst


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.