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Amoklauf von München
Mutmaßlicher Waffenhändler legt Geständnis ab

Amoklauf von München: Mutmaßlicher Waffenhändler legt Geständnis ab
Der Angeklagte Philipp K. vor Gericht FOTO: dpa, shp abl
München. Der mutmaßliche Lieferant der Tatwaffe für den Münchner Amoklauf hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Laut Anklage habe er die Tat im Juli 2016 mit neun Todesopfern erst möglich gemacht.

Er räume alle ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Waffenverkäufe ein, ließ der Angeklagte Philipp K. am Montag durch seinen Verteidiger vor dem Landgericht München I erklären. Doch hätte er einen Hinweis gehabt, dass David S. "eine so grauenvolle Tat begehen würde", hätte er ihm die Waffe niemals verkauft.

"Verkauf ermöglichte die Tat"

K. werden mehrere Waffenverkäufe vorgeworfen – darunter auch der Verkauf der Waffe, mit welcher der Amokläufer David S. vor gut einem Jahr neun Menschen erschoss. "Diese Tat des David S. ermöglichte der Angeschuldigte durch den Verkauf der Tatwaffe Glock 17 und der entsprechenden Munition", sagte Florian Weinzierl am Montag zum Prozessauftakt. Für den Angeklagten sei eine Schädigung von Menschen an Leib und Leben durch den Einsatz der Waffe vorhersehbar gewesen.

Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung in neun Fällen

Die Staatsanwaltschaft legt dem 32-jährigen K. unter anderem fahrlässige Tötung in neun Fällen, unerlaubten Waffenhandel und Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last. Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige David S. am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen erschossen und fünf weitere verletzt, ehe er sich selbst tötete.

In dem bis zum 19. September geplanten Prozess wird es auch um die Frage gehen, ob der Waffenhändler womöglich in die Tatpläne eingeweiht war. Nebenklagevertreter sehen dafür Anhaltspunkte und fordern deshalb eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord. In dem Geständnis bestreitet S. allerdings, von Amokplänen gewusst zu haben.

Er habe sich mit allen Käufern seiner Waffen nach der Geschäftsanbahnung im Darknet immer real getroffen – laut Anklage regelmäßig in einem Park in Marburg. Dabei habe er sich einen Eindruck über die Käufer verschaffen wollen. "Man kann sagen, ich habe diese Leute kennenlernen wollen", erklärte der Angeklagte.

Auch an 17-Jährigen Waffen verkauft  

Was nach einem verantwortungsbewussten Waffenhändler klingen soll, ist allerdings allein schon durch die Auswahl der Kundschaft zweifelhaft. So findet sich neben dem erst 18 Jahre alten psychisch kranken Amokläufer David S. auch ein 17-jähriger Käufer darunter, der erst heranwachsend und Schüler war.

Zudem hält der Vorsitzende Richter Frank Zimmer dem Angeklagten einige Datenfunde vor, die auf eine äußerst bizarre rechtsextreme Gedankenwelt hindeuten. Auf Datenträgern fanden die Ermittler etliche Nazisymbole.

In einem vom Richter verlesenen Brief an seine Mutter zeigt der nach einem Scheingeschäft von verdeckten Ermittlern festgenommene K. eine gewisse Einsicht. "Mittlerweile denke ich, dass ich ganz froh über die Festnahme sein kann, denn wo hätte das sonst hingeführt mit mir", schrieb er – für die neun Amokopfer von München eine Einsicht, die viel zu spät kommt.

(veke/beaw/dpa/AFP)
 
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