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Gefangenentransport
Angeklagter im "Ehrenmord"-Prozess versucht zu flüchten

Gefangenentransport: Angeklagter im "Ehrenmord"-Prozess versucht zu flüchten
Vor dem Berliner Landgericht müssen sich die drei Brüder wegen Mordes an ihrer Schwester verantworten. FOTO: ddp, ddp
Düsseldorf (rpo). Der jüngste der drei angeklagten Brüder im Prozess um den so genannten Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü hat am Donnerstag bei einem Gefangenentransport einen Fluchtversuch unternommen. Einem Bericht zufolge hatte er Übelkeit vorgetäuscht.

Der jüngste der drei angeklagten Brüder im Prozess um den so genannten Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü hat am Donnerstag bei einem Gefangenentransport einen Fluchtversuch unternommen. Wie Matthias Weidling von der Berliner Staatsanwaltschaft beim Prozess vor dem Berliner Landgericht sagte, soll der 19-Jährige bei der Fahrt von der Jugendhaftanstalt Kieferngrund in Berlin-Lichtenrade zum Kriminalgericht Moabit gemeinsam mit Mitgefangenen die Tür zur Fahrerkabine des Transporters gewaltsam aufgedrückt haben.

Anschließend sei es dem jungen Mann gelungen, sich am Wachpersonal vorbeizudrängen und die Fahrzeugtür nach außen einen Spalt zu öffnen. Die Beamten hätten den 19-Jährigen aber am Arm festhalten und wieder in Gewahrsam nehmen können. Laut Staatsanwaltschaft sagte er zum Wachpersonal: "Entschuldigung, aber ich musste versuchen zu fliehen." Die Berliner Staatsanwaltschaft beantragte für den Angeklagten verschärfte Sicherheitsmaßnahmen während der Verhandlung.

Einzelheiten werden untersucht

Der Transport von 13 Gefangenen wurde nach Angaben der Senatsjustizverwaltung von zwei Bediensteten der Jugendstrafanstalt begleitet. Ziel sei die Hauptanstalt in Berlin-Charlottenburg gewesen. Auf Höhe der Autobahnauffahrt Gradestraße hätten zwei Häftlinge aus bisher ungeklärten Gründen kurzfristig den Zellenbereich innerhalb des Fahrzeugs verlassen können. Sie seien von einer Bediensteten "durch Anwendung unmittelbaren Zwangs" umgehend zurückgebracht worden. Die vom Fahrer alarmierte Polizei haben den Transport zu seinem Ziel begleitet. Die Einzelheiten des Vorfalls würden untersucht.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp hatte einer der Häftlinge Übelkeit vorgetäuscht. Als ihm eine Bedienstete eine Tüte in die Kabine des Gefangenentransporters gereicht habe, sei es ihm und einem Mitgefangenen gelungen, auf den Gang zu flüchten. Sie sollen versucht haben, eine weitere Kabine in dem Wagen zu öffnen.

Schuldig bekannt

Der 19-Jährige muss sich seit September 2005 zusammen mit seinen beiden 25 und 26 Jahre alten Brüdern wegen gemeinschaftlichen Mordes vor Gericht verantworten. Die 23-jährige Hatun Sürücü war am 7. Februar 2005 unweit ihrer Wohnung in Tempelhof durch drei Kopfschüsse getötet worden. Zu Prozessbeginn hatte der Heranwachsende die Schuld auf sich genommen. Er gab zu, seine Schwester getötet zu haben, weil er den Lebensstil der geschiedenen Mutter als "Kränkung der Familienehre" empfand. Die Tat hatte bundesweit Aufsehen erregt.

Die am Donnerstag für 9.00 Uhr angesetzte Verhandlung begann wegen des Fluchtversuchs mit mehr als einer Stunde Verspätung. Es wurden dann unter anderem auf Antrag der Staatsanwaltschaft Vernehmungsprotokolle im Zusammenhang mit dem "Ehrenmord" verlesen, die bei einer Durchsuchung der Wohnung des 25-jährigen Angeklagten gefunden worden waren. Wie die Unterlagen dorthin kamen, ist bislang ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass es zwischen dem Angeklagten und seiner Frau anhand der Papiere Absprachen über das Alibi gegeben hat.

Der Prozess wird am 23. Februar fortgesetzt. Nach Angaben des Gerichts ist an diesem Tag mit den ersten Plädoyers zu rechnen.

(afp2)
 
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