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Motiv für Bombenanschlag in Ansbach
Innenminister prescht vor, Bundesanwaltschaft wartet noch ab

Ansbach-Anschlag: Innenminister prescht vor, Bundesanwaltschaft wartet ab
Nach dem Bombenanschlag sucht die Polizei nach den Hintergründen der Tat FOTO: afp
Karlsruhe/Ansbach. Schon wenige Stunden nach dem Bombenanschlag von Ansbach vermutet Bayerns Innenminister Joachim Herrmann einen islamistischen Hintergrund. Die Bundesanwaltschaft hält sich aber noch bewusst zurück. Laut einem Medienbericht gibt es zudem Zweifel an der Theorie eines Selbstmordattentäters.

"Wir sind natürlich in den Informationsfluss eingebunden", sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde. "Jetzt gilt es aber erst einmal, sich eine zuverlässige Tatsachengrundlage zu verschaffen. Dann müssen wir sehen, ob das in unsere Zuständigkeit fällt oder nicht." Der Generalbundesanwalt verfolgt Straftaten gegen die innere Sicherheit der Bundesrepublik wie Terrorismus.

Herrmann hatte am Morgen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur gesagt, dass er es für wahrscheinlich halte, dass der Anschlag das Werk eines islamistischen Selbstmordattentäters sei. "Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat", sagte er.

Auf die Frage, ob der Täter im Zusammenhang mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stehe, hatte der Minister auf einer Pressekonferenz gesagt: "Es ist dies auf jeden Fall nicht auszuschließen." Konkrete Hinweise auf den IS gebe es allerdings noch nicht. "Die offensichtliche Absicht, mehr Menschen zu töten, weist zumindest auf einen islamistischen Hintergrund hin." Dabei bezog sich der Innenminister auf die Tatsache, dass die Bombe offenbar mit scharfkantigen Metallteilen bestückt war.

War eine Fernzündung geplant?

Das Bundesinnenministerium in Berlin hat hingegen noch keine konkreten Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund des Täters. "Bisher ist es einfach so, dass wir dafür keinen belastbaren Hinweis haben", sagte Innenministeriumssprecher Tobias Plate. "Ich weiß nicht, ob am Ende Erkenntnisse rauskommen, dass es möglicherweise Staatsschutzrelevanz haben mag oder nicht." Er bat um "Nachsicht mit allen Handelnden". Mit Bayern sei ein und dasselbe Bundesland innerhalb weniger Tage von furchtbaren Ereignissen schwer getroffen worden. "Alle handelnden Personen haben (...) in den letzten Tagen kaum Schlaf gefunden." Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Der Berliner "Tagesspiegel" berichtet mit Verweis auf Sicherheitskreise, dass es Zweifel daran gebe, der Täter habe sich selbst töten wollen. Der Syrer sei gerade dabei gewesen, seinen Rucksack abzulegen, als es zu der Explosion kam, hieß es. Daher sei denkbar, so der "Tagesspiegel",  dass er den Sprengsatz mit einer Fernzündung zur Explosion habe bringen wollen. Für diese Theorie spräche, dass er zwei Handys dabei gehabt habe. Die Bombe habe er mit einem der Geräte zünden können, hieß es in Sicherheitskreisen.

Durchsuchung in Flüchtlingsheim

Um nähere Erkenntnisse zu dem mutmaßlichen Täter zu erhalten, rückte die Polizei in eine Flüchtlingsunterkunft in Ansbach aus und beschlagnahmte mehrere Gegenstände. Ob es sich bei dem ehemaligen Hotel um die Unterkunft des mutmaßlichen Täters handelte, wollte die Polizei nicht bestätigen. Mitarbeiter der Spurensicherung trugen mehrere Kisten, Säcke und Tüten unbekannten Inhalts aus dem Gebäude. "Im Umfeld des Verstorbenen sind Ermittlungen zugange, die wir aber derzeit noch nicht näher konkretisieren können", sagte ein Polizeisprecher. Auch am derzeit noch abgesperrten Tatort liefen die Ermittlungen weiter.

Am Sonntagabend hatte nach ersten Ermittlungen der 27-jährige Flüchtling eine Bombe in der Nähe eines Open-Air-Konzerts in Ansbach explodieren lassen. Der Mann aus Syrien starb, zwölf Menschen wurden teils schwer verletzt.

(crwo/dpa/afp)
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