"Schmutziges Geschäft": Apotheker verkaufen überteuerte Arzneimittel
zuletzt aktualisiert: 20.07.2005 - 06:57Berlin (rpo). Tausende von Apothekern verkaufen offenbar regelmäßig überteuerte Medikamente zu ihrem eigenen Vorteil. Der Kölner Gesundheitsökonom Karl Lauterbach sagte der "Berliner Zeitung", die Pharmafirmen beförderten den Verkauf von teuren Medikamenten durch die Gewährung von Rabatten.
"Es ist das schmutzige Geschäft der Apotheker, dass sie sich solche Geschenke machen lassen", sagte Lauterbach. Sein Institut schätze den Schaden für das deutsche Gesundheitswesen auf zwei bis drei Milliarden Euro im Jahr.
Möglich wird diese Praxis dem Bericht zufolge, weil Ärzte oftmals kein bestimmtes Präparat verschreiben, sondern auf dem Rezept nur den gewünschten Wirkstoff nennen. Das sieht die Gesundheitsreform vor, damit die Ärzte keine teuren Originalmedikamente verschreiben, sondern billige Nachahmerprodukte, so genannte Generika. Per Gesetz sind die Apotheker sogar gehalten, die kostengünstigsten Mittel an die Patienten abzugeben.
Wie dies in der Praxis unterlaufen wird, beschreibt der Deutsche Generikaverband, der die besonders preiswert anbietenden Pharmaunternehmen vertritt, in der Zeitung. Der Vorsitzende des Verbandes, Peter Kraus, sagte, große Generikahersteller gewährten Apotheken Naturalrabatte in Form von geschenkten Arzneipackungen.
"Es ist nicht unüblich, dass Apotheker von diesen Firmen für jede bezahlte Packung eine weitere Packung geschenkt bekommen", sagte Kraus dem Blatt. "Die kostenfrei bezogenen Arzneimittel werden später von den Apothekern zum vollen Preis bei den Krankenkassen abgerechnet."
Je mehr Packungen die Apotheken von den betreffenden Firmen abnähmen, desto höher falle der Rabatt aus. Dadurch gerieten preiswertere Generika ins Hintertreffen. Den Schaden durch künstlich hohe Preise bezifferte Kraus allein für die Krankenkassen auf mehrere hundert Millionen Euro im Jahr.
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