Kölner Stadtarchiv: Archiv-Einsturz: Neue Panne aufgedeckt
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 25.03.2009 - 07:42Köln (RP). Bei der Aufklärung der Ursache für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist eine neue Panne ans Licht gekommen. Das Gebäude stand offenbar nicht auf einer Liste von besonders gefährdeten Gebäuden entlang der U-Bahn-Trasse, war aus Ermittlerkreisen zu erfahren.
In der Aufstellung seien Gebäude eingetragen worden, für die spezielle Setzungsprognosen angefertigt wurden. Das denkmalgeschützte alte Polizeipräsidium und die Kirche Sankt Johann Baptist, die in der Nähe der Unglücksstelle liegen, seien im Gegensatz zum Stadtarchiv in der Liste genannt.
In der Kölner Stadtverwaltung wird die Panne dem Baudezernenten Bernd Streitberger (CDU) angelastet. Er hätte als Eigentümer des eingestürzten Gebäudes auf einer Listung des Stadtarchivs bestehen müssen, heißt es. Damit nimmt der Druck auf den Baudezernenten weiter zu. Gegen Streitberger wurde bereits ein Disziplinarverfahren eingeleitet, weil er wichtige Informationen über die mögliche Unglücksursache nur mit Verzögerung an den Krisenstab und Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) weitergeleitet haben soll. Ein Vergehen, das nach Einschätzung von Arbeitsrechtlern wohl nicht ausreicht, um den Dezernenten abzuberufen. Die "Listen-Panne" belastet den Spitzenbeamten jetzt zusätzlich.
Beim Einsturz des Historischen Stadtarchivs und zweier benachbarter Wohnhäuser am 3. März waren zwei junge Männer getötet worden. Die Grünen im Düsseldorfer Landtag fordern von der Landesregierung jetzt Konsequenzen aus der Katastrophe. "Die Landesregierung muss gegen die organisierte Verantwortungslosigkeit beim U-Bahnbau vorgehen", erklärte der Grünen-Abgeordnete Horst Becker. Jetzt gelte es, eine Bundesratsinitiative auf den Weg zu bringen, die den Bau von U-Bahnen sicherer mache. Bauherr und Bauaufsicht dürften künftig nicht mehr identisch sein. Außerdem solle das Land auf ein Sicherheitskonzept zur Gefahrenabwehr für die bereits gebauten Tunnelabschnitte drängen.
Bodo Wißen, Landtagsabgeordneter der SPD, forderte NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) auf, jetzt alle Bauprojekte in NRW zu benennen, bei denen keine unabhängige Bauaufsicht sichergestellt sei.
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