"Sauerland-Prozess" in Düsseldorf: Atilla S.: "Erschrocken über Sprengstoff"
zuletzt aktualisiert: 27.10.2009 - 14:59Düsseldorf (RPO). Im Prozess gegen die "Sauerland-Gruppe" hat der Angeklagte Atilla S. sich am Dienstag widersprüchlich zu seiner Rolle bei der Vorbereitung der geplanten Sprengstoffanschläge geäußert. "Dass ich eingebunden bin, dass ich mit der Sache zu tun hatte, war schon klar", sagte der 24-Jährige am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG).
Er habe sich allerdings nicht so integriert in die Gruppe wie die anderen Mitglieder gefühlt, betonte S. Seine Aufgabe sei es lediglich gewesen, die Vorbereitung der geplanten Anschläge durch die Beschaffung von Zündern in der Türkei zu unterstützen.
"Von Sprengstoff habe ich nichts gewusst"
Auch habe er über die von der Gruppe in Deutschland angedachten Ziele der Sprengstoffanschläge nichts gewusst, sagte S. Er sei daher "erschrocken" gewesen, als er nach der Festnahme seiner drei Mitangeklagten in den Medien gelesen habe, dass die Truppe 700 Kilogramm Sprengstoff für die geplanten Attentate beschafft und Anschläge auf Diskotheken oder Flughäfen überlegt hatte, sagte S. Er habe sich immer gegen mögliche zivile Opfer ausgesprochen.
Gleichzeitig hatte Atilla S. nach eigenen Angaben zuvor in Deutschland mehrmals Autos für den Transport des Sprengstoffs angemietet sowie zu den Auswirkungen der für die Anschläge angedachten Chemikalie Wasserstoffperoxid im Internet recherchiert. Auch hatte er sich mit den Mitangeklagten Adem Y. und Fritz G. über die bestmögliche Beschaffung großer Mengen der Chemikalie beraten.
Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, im Namen der Islamistischen Dschihad-Union (IJU) Anschläge in Deutschland geplant zu haben. Laut Anklage hatten die drei anderen Männer sich zwölf Fässer mit Chemikalien beschafft und in der Ferienwohnung damit begonnen, daraus Sprengstoff herzustellen. Am 4. September 2007 wurden sie dort festgenommen.
Atilla S. war im November 2007 in der Türkei verhaftet worden. Ihm wird vorgeworfen, 26 Sprengstoffzünder für die geplanten Anschläge der "Sauerland-Gruppe" nach Deutschland geschafft zu haben.
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