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Attacke von Würzburg
Ermittler haben noch keine Hinweise auf IS-Vernetzung

Attacke in Würzburg: Ermittler haben keine Hinweise auf IS-Vernetzung
Laut Innenminister Herrmann gibt es "keinerlei Indizien" für eine Vernetzung des Angreifers mit islamistischen Netzwerken FOTO: dpa, shp htf
München. Obwohl der "Islamische Staat" die Axt-Attacke in Unterfranken für sich beansprucht, gibt es bislang keine Hinweise für eine Vernetzung des Angreifers mit islamistischen Netzwerken. Das hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) klargestellt.

Nach dem bisherigen Ermittlungsstand gebe es "keinerlei Indizien vor Ort", die auf solch eine Verbindung hindeuteten, sagte Herrmann in München vor Journalisten. Dass sich die IS-Miliz zu dem Anschlag bekenne, hätten die deutschen Behörden zur Kenntnis genommen. Schon der erste Zeuge berichtete Hermann zufolge, der Täter habe bei seinen Attacken "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen. Daraufhin habe die Polizei so rasch wie möglich so viele Einsatzkräfte wie möglich an den Tatort geschickt.

Der Jugendliche verletzte vier Menschen schwer und einen leicht. Drei Menschen schwebten am Dienstag laut Würzburger Uniklinik in Lebensgefahr. Auch eine Passantin wurde bei der Attacke verletzt.

Dem Minister zufolge wurde in dem zuletzt von dem jungen Asylbewerber bewohnten Zimmer neben einer handgemalten IS-Fahne auch ein Schriftstück gefunden. Dieses deute darauf hin, "dass es sich um jemanden handeln könnte, der sich in letzter Zeit selbst radikalisiert hat".

Keine Hinweise aud Radikalisierung im Umfeld

Laut Herrmann gab es für das Umfeld des nach seinem Angriff erschossenen 17-jährigen Afghanen keine Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung. Er sei als gläubiger Muslim wahrgenommen worden, aber keinesfalls radikal oder fanatisch erschienen, sagte Herrmann zu den Beschreibungen der ersten Zeugenaussagen. Er sei als "eher ruhiger, ausgeglichener Mensch" beschrieben worden, der zu wichtigen Feiertagen in der Moschee gewesen sei, aber sonst nicht regelmäßig.

Der 17-jährige Angreifer machte nach Angaben des bayerischen Sozialministeriums ein Praktikum mit der Aussicht auf eine Lehrstelle. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur arbeitete er als Praktikant in einer Bäckerei. Der afghanische Flüchtling sei im Rahmen der Jugendhilfe intensiv betreut worden, sagte Sozialministerin Emilia Müller (CSU) nach Angaben einer Sprecherin. "Wir müssen jetzt sehr genau analysieren, wie es trotz dieser guten Voraussetzungen dennoch zu dieser Gewalttat kommen konnte", sagte Müller demnach. Daraus sollten Maßnahmen abgeleitet werden, um der Radikalisierung von jungen Leuten besser entgegenzuwirken. Die Tat sei derzeit noch völlig unerklärlich.

(crwo/afp/dpa)
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