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Ex-Schulleiter: Auch Missbrauchsfaelle in Elite-Internat Salem
  Foto: ddp, ddp
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Missbrauchsskandal: Auch Fälle in Elite-Internat Salem

zuletzt aktualisiert: 16.03.2010 - 19:20

Stuttgart (RPO). Auch im Elite-Internat Salem am Bodensee hat es nach Angaben des langjährigen Schulleiters Bernhard Bueb Fälle sexuellen Missbrauchs gegeben. Nach Medienangaben vom Dienstag in Baden-Baden räumte Bueb ein, dass sich Schüler an ihn wandten und angaben, belästigt worden zu sein.

Der ehemalige Schulleiter Bernhard Bueb der Hamburger Eliteschule Salem gab an, dass sich missbrauchte Kinder an ihn gewendet hätten.  Foto: DDP
Der ehemalige Schulleiter Bernhard Bueb der Hamburger Eliteschule Salem gab an, dass sich missbrauchte Kinder an ihn gewendet hätten. Foto: DDP

Wie Bueb dem Südwestrundfunks sagte, seien die verantwortlichen Lehrer daraufhin entlassen und die Staatsanwaltschaft informiert worden. Im Vergleich zu den bekannt gewordenen Vorkommnissen an der Odenwaldschule habe es sich aber um "vergleichsweise harmlose" Vorfälle gehandelt, wird Bueb zitiert.

Mit Blick auf die Vorwürfe gegen den Schulleiter der Odenwaldschule fürchtet Bueb laut SWR, dass die "gesamten Ideen der Reformpädagogik in Verruf geraten" könnten. Vor seiner Zeit in Salem war Bueb auch an der Odenwaldschule tätig. Bueb wurde vor allem durch seinen populärwissenschaftlichen Bestseller "Lob der Disziplin" bundesweit bekannt. Er leitete das Internat Salem von 1974 bis 2005.

Selbstanzeige in Meschede

Derweil hat ein Mitbruder der Benediktinerabtei Königsmünster im sauerländischen Meschede bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg Selbstanzeige wegen sexuellen Missbrauchs erstattet. Die von ihm bereits vor einem Monat angezeigte Tat soll sich Ende der 1990er Jahre ereignet haben, wie die Abtei am Dienstag in Meschede mitteilte. Abt Dominikus Meier habe im Vorfeld die Diözesanleitung in Paderborn und die Leitung der Kongregation von St. Ottilien, zu deren Verbund die Abtei Königsmünster gehört, informiert.

Der Ordensmann sei bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2000 von seinen Aufgaben entbunden worden, hieß es. Die Familie des Opfers und die Verantwortlichen der Abtei hätten damals von einer Strafanzeige abgesehen. Zwischen 2000 und 2005 habe der Mitbruder in einem Kloster im deutschsprachigen Ausland gelebt und sich vor Ort einer mehrjährigen Therapie unterzogen.

Auch im Gymnasium der niederbayerischen Benediktinerabtei Metten soll es zwischen 1970 und 1980 zu sexuellen Übergriffen durch einen Ordensmann gekommen sein. Diese Vorwürfe erhebt ein ehemaliger Schüler des Sankt Michaels-Gymnasium, wie die Bischöfliche Pressestelle am Dienstagabend in Regensburg mitteilte. Laut Bistum hatte sich der Mann am selben Tag an den Abt des Klosters, Wolfgang Hagl, gewandt. Außerdem ist von "übermäßiger Gewalt" die Rede, die ein weitere Benediktiner innerhalb desselben Zeitraums verübt haben soll.

Der Abt zeigte sich entsetzt über die Vorwürfe und kündigte an, diese transparent aufklären zu wollen. Von Handlungen sexuellen Missbrauchs sei ihm nichts bekannt gewesen. Laut Mitteilung ist der des Missbrauchs beschuldigte Pater bereits verstorben, der andere sei 95 Jahre alt.

Frühe Hinweise im Bistum Mainz

Im Bistum Mainz gab es bereits in den 80er Jahren Hinweise auf Missbrauch in einem kirchlichen Internat in Bensheim. In einem Brief aus dem Jahr 1981 an den damaligen Mainzer Bischof, Kardinal Hermann Volk, habe ein Bewohner des Konvikts sexuellen Missbrauch an ihm und anderen Bewohnern durch den damaligen Heimleiter geschildert, teilte das Bistum Mainz am Dienstag mit. Das Schreiben sei in einem unbeschrifteten Aktenordner entdeckt worden. Es existiere zudem ein Antwortschreiben von Domdekan Hermann Berg als damaligem Leiter des Dezernats Schulen und Hochschulen, in dem der Verfasser des Briefes zu einem Gespräch eingeladen werde. Dieses sei aber nicht zustande gekommen.

Über das weitere Geschehen liegt nach Angaben des Bistums kein Schriftverkehr vor. Der Aktenfund wurde demnach der zuständigen Staatsanwaltschaft Darmstadt übergeben. Beim Beauftragten des Bistums für Missbrauchsfälle, Richard Seredzun, seien zudem Informationen eingegangen, dass in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre an das Bistum Mainz Elternbriefe geschickt wurden, die über sexuellen Missbrauch berichten. Dem Bistum lägen solche Briefe allerdings nicht vor.

Das Bistum Mainz hatte vergangene Woche den Missbrauchsverdacht in dem ehemaligen Konvikt in Bensheim bekannt gemacht. Dort soll es bis zum Ende der 70er Jahre zu Misshandlungen und Übergriffen gekommen sein. Unter Verdacht steht unter anderem der frühere Heimleiter, der die Einrichtung von 1973 bis 1979 leitete. Das Knabenkonvikt war ein Internat für Schüler eines Bensheimer Gymnasiums. Das Konvikt wurde 1981 geschlossen.

Vorwürfe auch in evangelischer Kirche

Nach der katholischen wird nun auch die evangelische Kirche zunehmend von Missbrauchsvorwürfen erschüttert. Wie der Probst für Süd-Nassau, Sigurd Rink, am Dienstag in Wiesbaden berichtete, richtet sich der Verdacht gegen drei Pfarrer und einen evangelischen Religionslehrer aus Hessen und Rheinland-Pfalz. Ein inzwischen pensionierter Pfarrer soll nach Medienberichten Anfang der 80er Jahre einen Konfirmanden missbraucht haben.

Ein weiterer Pfarrer soll nach Angaben der Kirche seine Opfer mit SMS-Botschaften sexuell belästigt haben. Ein Ermittlungsverfahren gegen den Geistlichen sei von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Ein Disziplinarverfahren gegen den Pfarrer sei noch anhängig. "Als Kirche sind wir erschüttert, welche ungeahnten negativen Energien sich hier offensichtlich entladen haben", sagte Rink "Zugetraut hätten wir das den Seelsorgern und den Mitarbeitern niemals."

Die Vorwürfe erstreckten sich auf die frühen 80er Jahre, 2002 und 2009. In einem Fall wurde ein Pfarrer vom zuständigen Gericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Die Kirche habe den Geistlichen daraufhin von seinen kirchlichen Aufgaben entbunden. Bei dem fraglichen Lehrer werde geprüft, ob ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen werden könne.

Quelle: KNA/apd/das

 
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