Tierfutter-Skandal: Auch weitere Proben zeigen erhöhte Dioxin-Werte
zuletzt aktualisiert: 08.01.2011 - 18:28Düsseldorf (RPO). Der Dioxin-Skandal nimmt immer größere Ausmaße an. Auch die weiteren bei dem Futterfett-Hersteller Harles und Jentzsch sichergestellten Rückstellproben zeigen deutlich erhöhte Dioxin-Werte. In einigen Bundesländern wurden am Samstag vorsorglich gesperrte Agrarbetriebe wieder freigegeben.
Wie das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium am Samstag mitteilte, reichen die Werte von acht weiteren Proben von 0,39 bis 54,67 Nanogramm. Der zulässige Grenzwert von 0,75 Nanogramm wurde damit in weiteren sieben Fällen überschritten.
Bereits am Freitag war bei Untersuchungen festgestellt worden, dass der Dioxin-Gehalt etwa 77-mal so hoch wie der zulässige Grenzwert war. Auch vorherige Proben hatten zu hohe Werte aufgewiesen. Insgesamt hatte das Ministerium 112 Proben aus Eingangs- und Ausgangsware von Harles und Jentzsch sichergestellt. Von den bislang 38 untersuchten Proben lagen nur 13 unterhalb des Grenzwertes. Weitere Ergebnisse werden am Montag erwartet.
Rund 3000 Tonnen des Futters ausgeliefert
Die Firma aus dem schleswig-holsteinischen Uetersen, gegen das nun auch Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung laut wurden, hatte rund 3000 Tonnen dioxinbelastetes Futterfett an Abnehmer in mehreren Bundesländern ausgeliefert. In Schleswig-Holstein bezogen nach derzeitigem Stand 61 Landwirte verseuchtes Futter.
Zudem haben 22 weitere Betriebe möglicherweise belastetes Futter von einem niedersächsischen Händler bezogen. Dabei soll es sich überwiegend um Schweinemastbetriebe handeln. Das Ministerium geht derzeit davon aus, dass erste Schlachtverbote am Anfang der Woche wieder aufgehoben werden können.
Nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums seien bisher aber nur in einzelnen Legehennen überhöhte Konzentrationen des Ultragiftes gefunden worden. Neue Ergebnisse aus betrieblichen und amtlichen Kontrollen für Mastputen, Schweine und Hähnchen hätten keine Grenzwert-Überschreitungen ergeben, teilte das Ministerium mit.
Die vom Magazin "Focus"als neu vermeldeten Dioxin-Funde bei drei Legehennen aus einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen seien bereits am Donnerstag von der Landesregierung in Düsseldorf bekanntgemacht worden. Bei kurzfristigem Verzehr von Eiern und Geflügelfleisch sei keine "unmittelbare gesundheitliche Beeinträchtigung" zu erwarten, erklärte das Ministerium.
Niedersachsen gibt 500 Höfe frei
Das niedersächsische Agrarministerium gab am Samstag 500 von 4500 gesperrten Bauernhöfen wieder frei. Untersuchungen von Milch, Butter und Käse hätten keine Belastung mit dem Gift ergeben, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne in Hannover.
Die Milcherzeuger-Betriebe seien vorrangig getestet worden. Den Tests zufolge könnten Milch, Butter und Käse ohne Bedenken verzehrt werden. Daraufhin seien alle Milchbetriebe in Niedersachsen wieder freigegeben worden. Am Montag könnte auch die Sperrung für zahlreiche Schweinemast-Betriebe aufgehoben werden.
Noch knapp 170 Höfe in NRW gesperrt
In NRW wurden im Kreis Minden-Lübbecke die Betriebssperren für zwölf Milchbetriebe wieder aufgehoben. Das teilte ein Sprecher des Düsseldorfer Verbraucherschutzministeriums am Samstag mit. Die Betriebe waren Anfang der Woche vorsorglich gesperrt worden, weil der Verdacht bestand, dass die Futtermittel mit Dioxin belastete Mischfettsäuren enthalten.
Milchproben ergaben nun aber keine Überschreitungen von Messgrenzen. Somit sind in NRW noch knapp 170 Höfe gesperrt. Sie dürfen keine Eier oder Fleisch verkaufen. Messergebnissen der Landesbehörden zufolge waren bei Legehennenfleisch, bei Eiern sowie bei Fettsäuren für Futtermittel die Dioxin-Grenzwerte überschritten worden.
Südkorea verkauft kein deutsches Geflügel mehr
In Südkorea werden derzeit keine Geflügelprodukte und kein Schweinefleisch aus Deutschland verkauft. Die Behörden erklärten am Freitag, nach den Berichten über hohe Dioxin-Belastungen in Industriefetten seien vorsichtshalber alle Quarantäne-Kontrollen dieser Produkte ausgesetzt worden.
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