Einer der voraussichtlich letzten großen NS-Kriegsverbrecherprozesse hat begonnen. Der mutmaßliche frühere KZ-Wachmann John Demjanjuk muss sich wegen der Beihilfe zu Mord in 27.900 Fällen verantworten.
Vor Prozessbeginn herrschte großer Andrang. Rund 200 internationale Medienvertreter hatten sich angekündigt.
Demjanjuk kam mit einem Ambulanzwagen zum Gerichtsgebäude.
Es folgt eine gespenstische Szene, als Pfleger und Wächter den 89-Jährigen in den Gerichtssaal bringen.
Mit geschlossenen Augen lässt er das Blitzlichtgewitter über sich ergehen.
Demjanjuk ist aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit täglich rund drei Stunden verhandlungsfähig.
Demjanjuk muss sich wegen Beihilfe zum Mord an 27.900 jüdischen Männern, Frauen und Kindern vor dem Landgericht München verantworten. Die Anklage wirft dem heute 89-Jährigen vor, 1943 als bewaffneter Aufseher im Vernichtungslager Sobibor die Opfer aus den Zügen in die Gaskammern getrieben zu haben. Er bestreitet das, doch ein SS-Ausweis beweist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft seine Tätigkeit als KZ-Aufseher.
Demjanjuks Verteidiger Ulrich Busch sorgt zu Beginn der Verhandlung für einen Eklat.
Für Empörung unter den anwesenden KZ-Überlebenden und Angehörigen sorgte die Aussage, Demjanjuk stehe "auf gleicher Stufe" wie die KZ-Überlebenden, da auch er auf deutschen Befehl in Sobibor habe arbeiten müssen. Der Mann sei "ein Überlebender des Holocaust, nicht aber Täter".