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Schüsse auf Autobahn bei Würzburg
Autobahnschütze zu Recht wegen versuchten Mordes verurteilt

Prozess-Auftakt: Lkw-Fahrer steht vor Gericht
Prozess-Auftakt: Lkw-Fahrer steht vor Gericht FOTO: dpa, kjh tmk
Karlsruhe. Ein Lastwagenfahrer, der über Jahre immer wieder auf andere Fahrzeuge geschossen hatte, ist zu Recht wegen vierfachen versuchten Mordes verurteilt worden. Trotzdem kann er nun mit einer Verringerung seiner Strafe rechnen.

Laut einem am Donnerstag bekanntgegebenen Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe hätte aber der Vorwurf des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr unberücksichtigt bleiben müssen. Deswegen kann der Mann nun mit einer geringeren Strafe rechnen. 

Das Landgericht Würzburg hatte den Fernfahrer im Oktober 2014 zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Laut Anklage soll er von 2009 bis 2013 mindestens 700 Mal auf andere Fahrzeuge geschossen haben, meist auf Anhänger und Ladung anderer Laster. Angeklagt waren zuletzt noch 112 Fälle. Eine Kugel hatte eine in ihrem Auto fahrende Geschäftsfrau lebensgefährlich im Hals-Nacken-Bereich verletzt; drei weitere Projektile waren in den Fahrerkabinen von Lastwagen gelandet und hatten den jeweiligen Fahrer nur knapp verfehlt.

Fotos: Autobahn-Sniper gefasst FOTO: dpa, Fredrik von Erichsen

Das Landgericht Würzburg wertete diese vier Fälle als versuchten Mord. Dies bestätigte nun der BGH. Der Lkw-Fahrer habe den Tod dieser Menschen zumindest billigend in Kauf genommen - das reiche für eine Verurteilung wegen versuchten Mordes aus.

In den anderen 108 Fällen strich der BGH allerdings den Vorwurf des versuchten gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Nach bisheriger BGH-Rechtsprechung sei dieser Vorwurf eng an Besonderheiten und die Funktionsweise des Straßenverkehrs geknüpft. Das Landgericht habe aber nicht belegt, dass der Fernfahrer beispielsweise andere Fahrer erschrecken und so in Gefahr bringen wollte oder dass tatsächlich andere Fahrzeuge ins Schlingern gerieten. Das Landgericht Würzburg muss daher nun das Strafmaß neu festsetzen und dabei diesen Vorwurf außen vor lassen.

Die Polizei war dem Autobahnschützen durch eine elektronische Überwachung an sieben Autobahnabschnitten auf die Spur gekommen, bei der Millionen von Kennzeichen erfasst und ausgewertet wurden. Mutmaßliches Motiv des Mannes soll "Frust" gewesen sein. Laut Anklage hatte er die Situation auf Autobahnen als "Krieg" empfunden und sich für seine schlechten Erfahrungen rächen wollen.

(AFP)
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