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Warnsystem für Bürger: Autohupen sollen Sirenen ersetzen

VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 13.01.2011 - 18:07
Düsseldorf (RP). NRW plant ein verbessertes Warnsystem für die Bürger: Bei Naturkatastrophen, Unglücken, Anschlägen oder Großbränden ist die schnelle Information der Bevölkerung zurzeit die große Schwachstelle. Das Land steuert gegen: Dieses Jahr starten zwei Pilotprojekte. Das Sirenennetz wird um neue Warnmethoden erweitert, wahrscheinlich auch per Autohupe.
Die meisten Sirenen in Deutschland wurden im Zuge der 90er Jahre abgebaut.  Foto: RPO
Die meisten Sirenen in Deutschland wurden im Zuge der 90er Jahre abgebaut. Foto: RPO


Wie erfährt der Bürger rechtzeitig, dass nach dem Brand in einer Chemiefirma eine Giftwolke auf seinen Stadtteil zuzieht? Selbst Schulen oder Bürokomplexe können zurzeit nicht sicher alarmiert werden. Die schnelle, flächendeckende Warnung, die bei Bedarf auf einzelne Straßenzüge oder Ortsteile konzentriert werden kann, hat sich das NRW-Innenministerium für 2011 zum Ziel gesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Bund finden deshalb in diesem Jahr in Köln und einer ländlichen Region zwei Großversuche statt. Deren Ergebnisse sollen in ganz Nordrhein-Westfalen umgesetzt werden.

„Die Sirenen bleiben das Rückgrat. Andere Warnmethoden ergänzen das System“, berichtet Hans-Georg Fey, der Referatsleiter Krisenmanagement im Innenministerium. Doch nach Ende des Kalten Krieges war dieses Warnnetz teilweise abgebaut oder stillgelegt worden. Aufgebaut wurde es in jüngerer Zeit in Gebieten mit besonders Risiken, etwa um Chemiebetriebe.

Auch Rauchmelder könnten bei Warnungen künftig eine Rolle spielen. Foto: ddp, ddp

Neue Konzepte klingen teilweise futuristisch, sind aber in der Entwicklung – wie der Zweitton der Hupe eines parkenden Autos, der über einen Computerchip aktiviert wird. Möglich macht dies das System E-Call. Es wird ab 2014 in allen europäischen Neuwagen zur Plicht. E-Call setzt bei einem Unfall automatisch einen Notruf ab und ist – unter anderem bei BMW und Audi – bereits im Angebot. Ein Zusatzchip, der nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts etwa zehn Euro kostet, würde dann im Katastrophen- oder Unglücksfall mit einem Heulton warnen.

Ähnliche Versuche laufen mit handelsüblichen Rauchmeldern. Eingebunden sind bereits die Fernsehanstalten und Rundfunksender. Wie Fey weiter berichtete, sind auch die Gespräche mit Computernetz-Betreibern bereits weit gediehen, die im Gefahrenfall eine entsprechende Warnmeldung auf alle PCs senden sollen.

Der Handlungsbedarf ist offensichtlich: So berichtete vor einigen Jahren der Chef der Mönchengladbacher Feuerwehr, Jörg Lampe, wie er mit Lautsprecherwagen die Bevölkerung vor einer Gaswolke warnen wollte: „Um unsere Durchsage zu verstehen, unbedingt Türen und Fenster geschlossen zu halten, mussten die Bürger natürlich erst einmal ihre Fenster weit öffnen.“

Die mit dem Bund abgestimmte neue Warnkette sieht nun vor, dass von den jeweiligen Kreisleitstellen via Satellit, Funk, Internet oder Telefonnetz vorher festgelegte Signale oder Texte an Sirenen, Radios, Fernseher, PCs, Pager, Handys, Autohupen und Brandmelder weitergegeben werden – laut Fey jeweils exakt für das akut bedrohte Gebiet.

Wie genau das Warnsystem für Nordrhein-Westfalen aussehen wird, sollen die Pilotprojekte in Köln und einer ländlichen Region ergeben. Dann ließen sich auch die Kosten ermitteln. Fey: „Der Bund finanziert in mehreren Ländern je ein Pilotprojekt. Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, zwei Projekte nach Nordrhein-Westfalen zu holen. Für die Wiederaufbereitung der Sirenen oder deren Neubeschaffung ist eine finanzielle Unterstützung durch Bund oder Land zurzeit nicht vorgesehen.“ Die Restaurierung einer einzelnen Sirene kostet geschätzt rund 300 Euro.

„Ein Warnton bei Nacht heißt: Verlasse das Haus nicht. Bei Tag gilt: Verlasse die Straße. Zunächst in Sicherheit gebracht soll sich der Bürger dann über Radio oder Fernsehen informieren, was geschehen ist und wie er weiter reagieren soll“, erläutert Fey.

"Warnlage" unübersichtlich

Die „Warnlage“ in NRW ist derzeit uneinheitlich: Während die Chemieindustrie entlang der Rheinschiene zur Erhaltung eines Sirenennetzes beigetragen hat, gibt es in weiten Teilen des Ruhrgebiets und im Stadtgebiet Mönchengladbach keine funktionierenden Sirenen mehr. Eingeschränkt nutzbar ist das alte Netz in den Kreisen Wesel, Viersen und Neuss.

In NRW gibt es rund 3700 Sirenen, die aber nicht mehr alle funktionieren. Das vorhandene Netz wird zurzeit wieder aufgebaut. Das neue Warnsystem wird von den insgesamt 54 Rettungsleitstellen im Land genutzt, bei denen das Land ebenfalls darauf hinwirken will, dass alle unabhängig vom Stromnetz einsatzfähig werden.

Quelle: RP

 
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