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Axt-Angreifer
Attentäter von Würzburg wollte seine Spuren verwischen

Axt-Attentäter von Würzburg soll Spuren verschleiert haben
Der Attentäter von Würzburg beschädigte absichtlich das eigene Handy. FOTO: afp
Würzburg/Berlin. Nach der Axt-Attacke eines 17-jährigen Flüchtlings in einem Regionalzug bei Würzburg schwebt nur noch einer der Verletzten in Lebensgefahr. Einem Magazinbericht zufolge versuchte der Täter, seine Spuren zu verwischen.

Wie der "Spiegel" schreibt, seien sowohl die Sim-Karte als auch der Speicher seines beschlagnahmten Handys beschädigt. In Sicherheitskreisen werde davon ausgegangen, dass er das Gerät selbst zertrümmerte. Die Fahnder konnten dem 17-Jährigen dem Bericht zufolge zudem zwei Profile im sozialen Netzwerk Facebook zuordnen. Die dort enthaltenen Informationen sollen demnach mehrere tausend Seiten füllen.

Der Flüchtling hatte mutmaßlich aus politischen Motiven das Attentat verübt, die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnete den Jugendlichen danach als einen ihrer Kämpfer.

Nationalität des Attentäters unklar

Über die Nationalität des Attentäters von Würzburg und zur Frage möglicher Mittäter gibt es nach Angaben des Bundesinnenministeriums noch keine endgültigen Ergebnisse. Die Ermittlungen dazu liefen noch, sagte ein Sprecher. Es war Unsicherheit aufgekommen, ob der 17-Jährige, der nach seiner Messer- und Axt-Attacke auf fünf Zugreisende aus Hongkong von der Polizei erschossen worden war, aus Afghanistan oder Pakistan stammte.

Mann aus China schwebt in Lebensgefahr

Ein aus China stammender Mann schwebte am Freitag noch immer in Lebensgefahr, er werde bis auf Weiteres im künstlichen Koma gehalten, teilte die Universitätsklinik in Würzburg mit. Bei ihm habe sich aber der Gesundheitszustand gebessert und stabilisiert, ebenso bei den anderen drei noch in Würzburg stationär behandelten Patienten.

Regierungssprecher Steffen Seibert drückte erneut das Entsetzen der Bundesregierung über den Anschlag sowie die Hoffnung auf Genesung der Familie aus China aus. Jeder solle wissen, dass die Sicherheitsbehörden in Deutschland alles täten, um Radikalisierungen frühzeitig zu erkennen. "Wir sind da mit allen Kräften dran. Und dennoch wird es nie eine Situation geben, dass man für ein ganzes Land sagen kann, dass das nie vorkommen kann."

Polizei überprüfte Flüchtling nach Einreise

Der Sprecher betonte, nach vorliegenden Erkenntnissen sei der Flüchtling bereits kurz nach seiner Ankunft in Deutschland im vorigen Jahr polizeilich überprüft worden. Die Bundespolizei habe seine Personalien am 29. Juni 2015 um 3.55 Uhr aufgenommen, nachdem er mit einer Gruppe über die deutsch-österreichische Grenze gekommen war. Damals habe es eine verstärkte Fahndung gegeben, bundesweit seien 228 unerlaubt eingereiste Personen festgestellt worden.

Der Betroffene sei in Gewahrsam genommen, in Passau polizeilich überprüft und wegen des Verdachts der unerlaubten Einreise ohne Pass angezeigt worden. Seine angegebenen Personalien und Fingerabdrücke seien dabei auch fahndungsmäßig in den nationalen Datenbanken eingegeben worden - ohne Ergebnis.

"Er war sozusagen neu für die polizeilichen Datenbanken. Es gab da keine Voreinträge."

(sb/afp/dpa)
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