32 Kilo Lebensfreude: Babyfieber im Krefelder Zoo
VON BÄRBEL KLEINELSEN - zuletzt aktualisiert: 15.03.2006 - 13:05Krefeld (RP). Alle lieben den pfundigen Nachwuchs im Großtierhaus. Gestern wurde das Spitzmaulnashörnchen zum ersten Mal gewogen. 32 Kilo ist der Bulle leicht. Mama „Nane“ wiegt eine Tonne.
Das erste, was sich bewegte, waren die „Tüten“. So nennen die Tierpfleger scherzhaft die verhältnismäßig großen Ohren des verhältnismäßig kleinen Spitzmaulnashorns. Denn gegen Mutter „Nane“ ist der Nachwuchs ein Winzling. Über eine Tonne Gewicht bringt die werte Mama auf die Waage. Ihr Filius, der die Größe einer Zwergziege hat, kommt lediglich auf 32 Kilo - ein Mini ohne Hörnchen, dafür aber Gramm für Gramm pure Lebensfreude.
Waren direkt nach der Geburt nur die „Tüten“ auf Sendung, ist es inzwischen das ganze Kerlchen. Munter läuft es durch seine Box im Großtierhaus des Krefelder Zoos. Seiner Mutter weicht es nicht von der Seite. „Wir gönnen Mutter und Sohn so viel Ruhe wie möglich. Schließlich wollen wir verhindern, dass Nane sich aufregt und durch eine unbedachte Bewegung ihr Kind verletzt“, erklärt Zoo-Chef Wolfgang Dreßen.
Das Risiko ist hoch. Wer eine Mama im XXL-Format hat, muss einstecken können. Doch so weit ist der junge Bulle noch lange nicht. Ein Tritt von Mutters Huf, und die zarten Knochen würden brechen. „Deshalb sind wir froh, dass Nane die Geburt wie ein Profi gemeistert hat. Sie ist eine gelassene Mutter.“
Dreßen kann es nicht abstreiten. Zwei Tage nach der Geburt ist der Zoodirektor bereits um den Finger gewickelt. Und der Baby-Bulle der große Star. NRW’s erster lebender Spitzmaul nashorn-Nachwuchs hat sogar seine eigene Sendung. Das Rhino-TV kann Mensch allerdings nur im Großtierhaus des Zoos erleben. Dort wird jede Bewegung des Minis per Farbkamera auf einen Monitor am Gehege übertragen. Denn Mutter und Sohn sind noch in der hinteren Box, geschützt vor den Blicken der Neugierigen.
„Spätestens am Wochenende werden die beiden aber auch im vorderen Gehege zu sehen sein. Dann können sie zwischen beiden Boxen wählen und werden vorne gefüttert“, verspricht Dreßen. Samstag und Sonntag rechnet er mit einem ersten Besucher-Ansturm.
Für das Kalb jedoch ist jeder neue Tag spannend. Gestern war „Nashorn wiegen“ das große Abenteuer. Dabei stand die Waage eigentlich gar nicht auf dem Programm. Dreßen: „Im Magdeburger Zoo hat das Kalb jämmerlich geschrien, als es von seiner Mutter getrennt wurde, die daraufhin auch unruhig wurde. Das wollten wir hier vermeiden.“ Und dann kam doch alles ganz anders.
Denn der Kleine hatte sich - sehr zur Freude seiner menschlichen Betreuer - zum Schlafen nicht an Mama gekuschelt, sondern an die Tür der Box gelehnt. Schnell öffneten die Pfleger die Schiebetür und verfrachteten das schlummernde Riesenbaby auf die daneben stehende Waage. Noch im Halbschlaf ließ das Nashörnchen die Prozedur über sich ergehen. Dann war es wieder wohlbehalten bei seiner Mutter, die den ersten Ausflug ihres Sprösslings gar nicht bemerkt hatte.
Zwei Jahre lang wird sich der Jung-Bulle nun an Mutters Milchbar kräftig laben. Dann jedoch muss er seine Heimatstadt verlassen. Denn für drei graue Riesen ist die Krefelder Anlage definitiv zu klein. Und Vater „Usoni“ , der derzeit unruhig wie eh und je die Außenanlage durchpflügt, würde einen Konkurrenten in der Nebenbox nicht lange dulden. Auch nicht seinen eigenen Sohn.
Bis aus dem Kerlchen jedoch ein ganzer Kerl wird, müssen noch viele Jahre ins Land ziehen. Denn auch bei Spitzmaulnashörnern ist Mann ein Spätzünder. Während die Weibchen nach rund vier Jahren geschlechtsreif werden, brauchen die männlichen Unpaarhufer mindestens fünf Jahre. Eher mehr.
Schneller geht es jedoch mit dem, was ein Nashorn eigentlich ausmacht. Schon in fünf Wochen wird aus dem Hügelchen auf dem Maul nach und nach ein stattliches Horn. Und dann muss der Kleine nur noch eins: ganz viel futtern. Damit er schon bald groß und stark wird - wie seine Mama. „Tüten“ hat der Zwerg dann nicht mehr. Dafür aber umso schönere Ohren.
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