22-jährige Medizinstudentin festgenommen: Babyleiche in Pappkarton entdeckt
zuletzt aktualisiert: 21.04.2008 - 17:15Zwickau (RPO). Grausiger Fund auf einem Dachboden in Westsachsen: Ein Ehepaar hat sein mutmaßliches Enkelkind tot in einem Pappkarton entdeckt. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag in Zwickau mitteilten, wurde die erwachsene Tochter der Hausbesitzer unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die 22-jährige angehende Medizinstudentin wegen eines Tötungsdeliktes.
Die junge Frau wurde am Montag als Beschuldigte in München vernommen, wo sie studiert. Nach Angaben der Münchner Polizei räumte sie ein, Mutter des toten Kindes zu sein. Sie habe das Kind im November 2007 allein in ihrer Wohnung im Stadtteil Schwabing zur Welt gebracht. Nach ihrer Darstellung war das Kind zu dem Zeitpunkt bereits tot. Von der Schwangerschaft habe niemand etwas bemerkt. Gegenüber der Mordkommission gab sie an, sie habe ihre Kleidergröße 34 nie wechseln müssen.
Den Leichnam brachte sie nach bisherigen Ermittlungen von ihren Eltern unbemerkt im Dezember 2007 in das Haus in Elsterberg im Vogtland. Zunächst lag das tote Baby in einem Koffer, später versteckte sie es in einem Karton auf dem Dachboden. Die genauen Todesumstände sollen nun durch Rechtsmediziner untersucht werden. Frühestens am Dienstag sei mit ersten Ergebnissen zu rechnen, teilten die Behörden mit.
Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem die Eltern der 22-Jährigen den Karton mit der Kindesleiche unter ihrem Dach entdeckt hatten. Die Mutter der Beschuldigten wollte nach Angaben der Ermittler auf dem Dachboden lagernde Lebensmittelvorräte kontrollieren.
"Das muss ein Schock gewesen sein"
Dabei schlug ihr Verwesungsgeruch entgegen, schließlich entdeckte sie den Karton. Die Eltern riefen zunächst ihre Tochter in München an. Der Polizei zufolge gab diese an, der "Inhalt" stamme von ihrer besten Freundin, die sich in einer Notsituation befunden habe und in großen Schwierigkeiten sei. Daraufhin verständigte der Vater der jungen Frau die Polizei.
Ein Polizeisprecher sagte: "Für die Eltern muss es ein Schock gewesen sein." Ein Ermittler fügte hinzu, niemand könne sich vorstellen, was es bedeute, so eine schreckliche Entdeckung zu machen und die eigene Tochter unter Tatverdacht zu sehen. "Es ist Wahnsinn: Die armen Leute haben ihr mögliches Enkelkind tot aufgefunden."
Die Beschuldigte wohnte in München zuletzt mit ihrem Ex-Freund zusammen. Den Namen des Kindsvaters nannte sie nicht. In der bayerischen Landeshauptstadt wollte sie ein Medizinstudium beginnen. Zunächst hatte es geheißen, sie habe es bereits aufgenommen. Etwa alle vier Wochen besuchte sie ihre Eltern, zuletzt Anfang April. Nach Polizeiangaben gibt es keinen Hinweis, dass die Eltern etwas von der Schwangerschaft ihrer Tochter mitbekommen haben könnten.
Im Vogtland wurden bereits in der Vergangenheit mehrfach Babyleichen entdeckt. Zuletzt sorgte der Fund von drei Babyleichen in Plauen bundesweit für Entsetzen. Elsterberg liegt an der sächsisch-thüringischen Landesgrenze und hat rund 5.000 Einwohner.
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