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150 Prozent des Fahrpreises: Bahn entschädigt Hitzeopfer mit Gutscheinen

zuletzt aktualisiert: 13.07.2010 - 16:55

Berlin (RPO). Die Deutsche Bahn entschädigt Hitzeopfer mit Gutscheinen. Fahrgäste, die durch ausgefallene Klimaanlagen in Zügen "gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten und ärztlich versorgt werden mussten, sollen als Entschädigung Reisegutscheine in Höhe von 150 Prozent des Fahrpreises erhalten", teilte das Unternehmen am Dienstag in Berlin mit. Oppositionspolitiker hatten zuvor Entschädigungen auch in Form von Bargeld gefordert.

50 Prozent des ursprünglichen Fahrpreises bietet das Unternehmen Passagieren an, die "massive Komforteinschränkungen durch ausgefallene Klimaanlagen im ganzen Zug hinnehmen mussten". Der für den Personenverkehr zuständige Vorstand Ulrich Homburg sprach von "Kulanzmaßnahmen" und "freiwilligen Zusatzleistungen", mit denen Vertrauen zurückgewonnen werden solle.

Der Konzern kündigte an, die betroffenen Fahrgäste in den Fernverkehrszügen schnell und unbürokratisch zu entschädigen. Dazu sei am Montag eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet worden. Der Erstattungsantrag ist unter Vorlage der Originalfahrkarte unter anderem an die E-Mail-Adresse hitzewelle@deutschebahn.com zu richten.

Politik fordert einheitliches Entschädigungssystem

Die Art der Entschädigung dürfte in der Politik auf Kritik stoßen. "Wir brauchen für Bahn- und Flugverkehr ein einheitliches, leicht verständliches und vor allem durchsetzbares Entschädigungssystem, das auch Bargeld vorsieht", sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber am Dienstag. Die schwarz-gelbe Koalition solle diese Veränderungen nicht nur fordern, sondern auch beschließen.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, Winfried Hermann (Grüne), plädierte für gesetzliche Regelungen, die dann für alle Beförderungsunternehmen gelten sollen und auch Bargeld als Entschädigung vorsehen. Es sei nicht länger zu tolerieren, dass bei den meisten Qualitätsmängeln der Bahn nur Kulanzregelungen greifen würden. Der Grünen-Politiker forderte zudem neue Investitionen des Unternehmens.

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht bei der Finanzlage des Konzerns vor allem die Bundesregierung in der Pflicht. Die Bahn müsse, anders als Fluggesellschaften, Mehrwertsteuer auf ihre Ticketverkäufe abführen und dazu noch für die Benutzung des Schienennetzes zahlen, sagte Rainer Engel, Rechtsexperte bei Pro Bahn. Er warf Bundespolitikern vor, Bahnfahren "in funktionierenden Zügen für Luxus" zu halten, der hoch besteuert werden müsse und dadurch den Wettbewerb zu verzerren.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung, nachdem am Samstag in ICE-Zügen mit ausgefallenen Klimaanlagen Passagiere zusammengebrochen waren. Am Montag hatten erneut bei tropischen Temperaturen ICE-Klimaanlagen den Betrieb eingestellt. Allein im Hauptbahnhof von Hannover waren zehn ICE-Züge wegen defekter Klimaanlagen vorläufig außer Betrieb genommen worden, wie eine Sprecherin der Bahn sagte. Betroffen waren demnach zwischen 4000 und 5000 Fahrgäste. Zuvor war von nur einem Zug und 400 bis 500 Passagieren die Rede gewesen.

Viele von ihnen hätten nach der derzeitigen Regelung offenbar keinen Anspruch auf Entschädigung, da laut der Sprecherin in einigen Zügen nur die Klimaanlage in einzelnen Waggons versagt hatte.

Ebenfalls wegen einer defekten Klimaanlage hatte am Montagnachmittag auch der ICE 856 von Berlin nach Hamm (Westfalen) außerplanmäßig in Stendal gehalten. Alle Fahrgäste mussten nach Bahnangaben den Zug verlassen und wurden angesichts der Hitze mit Getränken versorgt. Wie die Bundespolizei mitteilte, wurden fünf Menschen wegen Kreislaufproblemen medizinisch versorgt.

Quelle: DDP/awei

 
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