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Kuriose Verwechslung
Rentner halten Flüchtlingsheim für Gasthof - und werden bewirtet

Fotos: Flüchtlinge tischen auf
Fotos: Flüchtlinge tischen auf FOTO: dpa, nar pil
Bamberg. Eine kuriose Verwechslung hat in Franken zu mehr Völkerverständigung geführt. Dort hat ein Rentnerpaar ein Flüchtlingsheim mit einem Gasthof verwechselt. Statt Ablehnung erfuhren die beiden aber herzliche Gastfreundschaft.

Das Rentnerpaar wurde von mehreren Flüchtlingen kostenlos bewirtet. Die beiden hatten das Asylbewerberheim für einen noch bewirtschafteten Gasthof gehalten. Der Irrtum wurde dem Paar erst bewusst, als es bezahlen wollte, wie der in Bamberg erscheinende "Fränkische Tag" am Freitag berichtete. Sie könne in Erinnerung daran "gleich wieder heulen", sagte die Rentnerin Gabriele Stärz dem Blatt über den Vorfall, der sich bereits im Sommer ereignet hatte.

"Wir mussten unbedingt ein Gasthaus finden"

Die 68-Jährige war demnach mit ihrem 72 Jahre alten Lebensgefährten zum Kanufahren auf dem Main und wollte in der Gemeinde Unterleiterbach Rast machen. "Mir hing der Magen in den Kniekehlen, wir mussten unbedingt ein Gasthaus finden", erinnerte sich die aus Karlsruhe stammende Frau in der Zeitung.

Nachdem sie eine Weile gelaufen seien, seien sie auf das Schild Brauerei-Gasthof Hennemann gestoßen. Sie hätten sich zwar über den zugemauerten Eingang gewundert, seien dann aber von einem Mann mit Handzeichen zu einem Eingang im Hof geleitet worden. Im Gastraum sei ihr zwar aufgefallen, dass Tische und Stühle nicht zusammen passen. "Ich dachte: Die fangen neu an. Da muss man Verständnis haben, wenn's nicht so schniecke ist."

Die in dem Gebäude lebenden Asylbewerber hätten angesichts des Besuchs den Syrer Kawa Suliman geholt, weil dieser am besten Deutsch gesprochen habe. "Wir wussten nicht, was das für Leute waren", berichtete Suliman der Zeitung. "Keiner kannte sie, aber ich verstand sie gut. Sie hatten Hunger", sagte der 30-jährige Anwalt weiter.

"Toll hat das geschmeckt"

Suliman tischte dann mit drei anderen Flüchtlingen dem Paar auf, was sie so hatten. Selbst gemachte Apfelmarmelade, dazu Eier, Tomaten, Käse und Joghurt. Er habe alles auf einer Platte angerichtet und mit Fladenbrot serviert. "Toll hat das geschmeckt", erinnerte sich die Rentnerin. Sie habe dazu einen grünen Tee bestellt, ihr Partner Milch, das "syrische Restaurant" mitten in Franken habe ihnen gut gefallen.

"Uns ist erst aufgegangen, dass wir im Asylbewerberheim gelandet sind, als wir die Rechnung verlangt haben." Als ihr Partner wissen wollte, warum er nicht zahlen soll, habe sich der Irrtum aufgeklärt. "Ich habe sofort angefangen zu heulen", erinnerte sich die Frau.

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(hebu/AFP)
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