Betrug mit EC-Karten nimmt stark zu: Banken mussten jeden dritten Geldautomaten austauschen
zuletzt aktualisiert: 11.05.2011 - 09:26Berlin (RPO). Die Kriminalität mit gefälschten EC-Karten steigt sprunghaft an. Die großen Privatbanken mussten deshalb offenbar ein Drittel ihrer Geldautomaten austauschen. Das Bundeskriminalamt schätzt, dass der Schaden durch Betrug an den Automaten im vergangenen Jahr um 20 Millionen Euro auf auf 60 Millionen Euro anstieg.
Der Betrug mit gefälschten EC-Karten wird zu einem Image- und Kostenproblem der Geldhäuser, berichtet die "Financial Times Deutschland". Demnach haben die großen Privatbanken 2010 fast ein Drittel ihrer Geldautomaten austauschen müssen, weil diese zu leicht manipulierbar waren.
Nach Schätzungen des Bundeskriminalamtes (BKA) stieg der Schaden im vergangenen Jahr auf 60 Millionen Euro nach 40 Millionen Euro 2009. Betroffen waren schätzungsweise 190.000 Kunden. Vor allem osteuropäische Banden verschafften sich an manipulierten Bankautomaten die Konten-Daten der Privatkunden und würden dann damit außerhalb Deutschlands Geld abheben.
Das sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in Berlin. Das genaue Ausmaß der ergaunerten Abhebungen sei unbekannt. Ein Großteil der Straftaten werde nicht angezeigt, da die Betroffenen in der Regel die Gelder von ihren Banken erstattet bekämen. Die Kreditinstitute aber seien sehr zurückhaltend mit der Veröffentlichung ihrer Verluste durch den Kartenmissbrauch.
Die Spitzenverbände der Finanzbranche wiesen darauf hin, dass Kunden die Verluste durch manipulierte Geldautomaten erstattet würden. Bei Verlust oder Diebstahl der EC-Karte sollte dies schnell gemeldet werden. Dann gebe es kaum Betrugsmöglichkeiten, teilte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) mit.
Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben Zierckes 3183 Geldautomaten manipuliert. Dies entspricht einem Anstieg von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei dem sogenannten Skimming wird am Automaten oder im Raum eine kaum zu erkennende Minikamera angebracht, mit der die Eingabe der PIN-Geheimzahl aufgenommen wird. Außerdem wird vor dem Kartenschlitz eine Lesegerät angebracht, mit dem die Daten aus der EC-Karte ausgelesen werden.
Chips sicherer als Magnetstreifen
Mit den so gewonnenen Daten werden dann gefälschte EC-Karten hergestellt, sagte Ziercke. Mit ihnen sei in der ersten Jahreshälfte 2010 vor allem in Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Bulgarien und Russland Geld abgehoben worden.
Im zweiten Halbjahr 2010 habe sich das illegale Geldabheben auf außereuropäische Länder verlagert. Grund dafür sei, dass in Europa zunehmend der in den Karten integrierte Chip zum Einsatz komme, während in vielen nicht-europäischen Ländern die Geldautomaten auf die manipulationsanfälligeren Magnetstreifen in den Karten zugreife.
Der ZKA erklärte, er setze sich insbesondere bei den Kreditkartenfirmen Mastercard und VISA für den weltweiten Einsatz der Chiptechnologie ein.
Um Missbrauch zu verhindern, hätten Banken und Sparkassen 2010 über 300.000 Karten gesperrt, sagte Ziercke. Die Karten-Betrüger würden auch neue Strategien entwickeln. So seien im vergangenen Jahr erstmals Benzin-Zapfsäulen mit Bezahlautomat manipuliert worden. An einer Tankstelle seien mit den entwendeten Kontendaten über 600.000 Euro kassiert worden. In diesem Jahr seien auch zum ersten mal manipulierte Ticket-Automaten der Deutschen Bahn entdeckt worden.
Laut Ziercke stammen die Tatverdächtigen wie in den Vorjahren fast ausschließlich aus Osteuropa, meistens aus Bulgarien oder Rumänien. Sie würden meist in kleinen Gruppen vorgehen und hielten sich immer nur relativ kurze Zeit an einem Ort auf.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







