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Kraftwerksunfall in Grevenbroich: Baufirmen weisen Verantwortung zurück

VON MARTIN KESSLER UND CARSTEN SOMMERFELD - zuletzt aktualisiert: 29.10.2007 - 07:45

Grevenbroich (RP). Auch Tage nach dem tragischen Unfall auf der Kraftwerks-Großbaustelle in Grevenbroich-Neurath sind Unfallursache und Verantwortlichkeiten weiterhin unklar. Die am Bau beteiligten Firmen lehnten eine direkte Verantwortung für den Unfall ab. Sie wollten erst die Untersuchungsergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten.

Herrin des Verfahrens ist jetzt die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, wo aber Oberermittler Peter Aldenhoff den Fall an seinen Kollegen Lothar Schroeter abgibt. Im Gespräch mit unserer Redaktion meinte Aldenhoff, die Ermittlungsarbeiten könnten noch Wochen oder sogar Monate dauern.

Gestern war noch nicht abzusehen, wann die Strafverfolger die bislang gesperrte Unfallstelle wieder freigeben. Der Auftraggeber für den Bau der Mega-Anlage in Neurath, die Essener Kraftwerkstochter RWE Power, konnte noch keine Angaben zur Unfallursache und zu möglichen Verstößen gegen die Sicherheitsbestimmungen machen.

Eine Konzernsprecherin wies aber Vorwürfe eines Unternehmers auf der Baustelle zurück, dass bei den Bewegungen des Krans am Stahlgerüst unten am Boden weiter gearbeitet wurde.

„Während des Hubvorgangs mit dem Kran sind die Arbeiten darunter ordnungsgemäß eingestellt worden“, sagte die Sprecherin. Ungeklärt bleibt die Verantwortung für die direkte Sicherheit an der Unfallstelle. RWE Power verweist auf das Konsortium der beiden weltweit tätigen Kesselbauer Alstom aus Frankreich und Hitachi Power Europe, deren Mutterkonzern aus Japan kommt.

Die seien für das Herzstück des neuen Braun- kohlekraftwerks in Neurath, den Bau des riesigen Dampfkessels und der sich daran anschließenden Stromerzeugungsanlage verantwortlich.

Das Konsortium hat einen eigenen Sicherheitsbeauftragten auf der Baustelle, ist aber zugleich in das Gesamtkonzept des Bauherren RWE Power eingebunden. Die unmittelbare Verantwortung für den Bau des Gerüsts, bei dem es zum Unfall gekommen war, liegt indes bei einer Arbeitsgemeinschaft aus vier Stahlbauern, darunter die Firmen Donges und Max Bögl.

Ein Tochterunternehmen von Bögl führte die Monteur-Arbeiten an den Stahlträgern durch. Zu diesem Unternehmen gehörten auch die getöteten Bauarbeiter aus Tschechien und der Slowakei. Wer hier für die Sicherheit verantwortlich war, blieb gestern ebenfalls unklar.

Am Wochenende wurde auch das dritte Todesopfer des Unfalls an der Baustelle des Großkraftwerks Grevenbroich-Neurath geborgen. Der dritte Monteur, der beim Unfall getötet wurde, konnte geborgen werden, als ein 200 Meter hoher Kran eine viele Tonnen schwere Stahl-Traverse vorsichtig abgesetzt hatte.

Der 32-jährige Slowake lag seit Donnerstag in 78Meter Höhe auf einem Querträger. Erst am Samstag war es möglich, den Verunglückten nach unten zu holen. Zuvor mussten Sachverständige die noch bestehende Stahlkonstruktion auf ihre Statik und den Kran auf Funktionstüchtigkeit untersuchen. Nachdem die gefährlichen Trümmerteile beseitigt oder gesichert waren, holten zwei Höhenretter der Feuerwehr den Toten vom Stahlträger. Am Freitag zuvor hatten die Einsatzkräfte einen Mann aus 140 Metern Höhe und einen aus den Trümmern am Boden geborgen.

Die Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach hat unterdessen die Unfallstelle gesperrt. Sie wird für die Firmenangehörigen und Bauarbeiter offenbar noch eine ganze Weile nicht zugänglich sein. Am Donnerstag hatte eine Sonderkommission die Arbeit aufgenommen, rund 50 Ermittler waren im Einsatz. Gestern herrschte weitgehend Ruhe auf der Baustelle.

Am Vormittag besuchte Ulrich Jobs, der Chef des Kraftwerksbetreibers und Bauherrn RWE Power, die Unglücksstelle.


 
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