Bischofskonferenz in Fulda: Beratungen über Entschädigung für Missbrauchsopfer
zuletzt aktualisiert: 20.09.2010 - 18:33Fulda (RPO). Die katholischen deutschen Bischöfe beraten bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda auch über mögliche Entschädigungen für Missbrauchsopfer. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte zum Auftakt am Montag, auf der Tagesordnung stehe auch eine "finanzielle Anerkennung" der Betroffenen. Dabei gehe es aber nicht um konkrete Summen.
Den jüngsten Vorschlag der Jesuiten, jedem Opfer 5.000 Euro zu bezahlen, kommentierte Zollitsch zurückhaltend. "Wir wollen jetzt nicht einzeln vorpreschen." Es gelte, im Rahmen eines runden Tisches hier einvernehmlich eine Lösung zu finden. Der Freiburger Erzbischof unterstrich, dass es auf die "gesamtmenschliche Hilfe" ankomme. "Es wäre falsch zu sagen, es geht nur um Geld", sagte er.
Die Versammlung will nach seinen Worten auch Richtlinien für die Ausbildung von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern erarbeiten, um Missbrauchsfälle zu verhindern. Hier sei "erhöhte Wachsamkeit" gefordert, meinte der Bischof. So wolle sich die Kirche von Bewerbern bei Einstellungen ein Führungszeugnis vorlegen lassen.
Am Mittwoch wollen die Bischöfe nach seinen Angaben darüber nachdenken, wie die Kirche den durch die Skandale entstandenen Glaubwürdigkeitsverlust wieder wettmachen kann. "Keiner von uns hätte sich je vorstellen können, dass es solche Ausmaße annimmt", sagte er mit Blick auf die Vielzahl von Missbrauchsfällen. Die Kirche insgesamt habe das Problem zu spät wahrgenommen.
Bischofskonferenz verschärft Leitlinien
Ende August hatte die Deutsche Bischofskonferenz nach den Skandalen der vergangenen Monate ihre Leitlinien verschärft. Künftig müssen in praktisch jedem Fall die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet werden.
Ausdrücklich begrüßte Zollitsch die deutlichen Worte des Papstes zum Thema Missbrauch bei dessen Reise nach Großbritannien. Er sei dankbar für den Besuch, der Brücken geschlagen habe.
Wie sich die zahlreichen Missbrauchsfälle auf die Zahl der Austritte ausgewirkt haben, könne er noch nicht sagen. "Ich fürchte allerdings, dass es durchaus in diese Richtung eine Verstärkung gewesen sein könnte", sagte Zollitsch.
Zollitsch äußerte sich zum Auftakt des viertägigen Treffens auch zur Diskussion über die Integration und monierte dabei den biologistischen Ansatz des scheidenden Bundesbankvorstands Thilo Sarazzin. Hier müsse genauer differenziert werden. Das Thema löse bei vielen Menschen "ein Stück Angst" aus. "Insofern ist es gut, dass diese Diskussion neu angestoßen worden ist", sagte Zollitsch.
Die Bischöfe wollen auch über den geplanten freiwilligen Zivildienst und über die Zukunft der Energieversorgung beraten. Nicht nur hier erwartet Zollitsch lebhafte Diskussionen: "Wir haben eine spannende Konferenz vor uns."
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