Sechs afghanische Soldaten erschossen: Bericht: Nato kritisiert Bundeswehr wegen Schüssen
zuletzt aktualisiert: 29.05.2010 - 16:38Hamburg (RPO). Die Nato wirft der Bundeswehr einem Magazinbericht zufolge Fehler bei einem Einsatz Anfang April nahe Kundus vor. Bundeswehrkräfte hatten dort am 2. April irrtümlich sechs afghanische Soldaten erschossen, weil sie die Männer für Angreifer hielten.
Einem geheimen Nato-Untersuchungsbericht zufolge hätte der Vorfall verhindert werden können, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Deutschen hätten taktische Informationen nicht ordnungsgemäß verarbeitet.
So hatten sich die afghanischen Soldaten, die sich dem deutschen Konvoi mit einem Geländewagen vom Typ Humvee und einem Ford Ranger näherten, ordnungsgemäß über ihren belgischen Ausbildungsoffizier beim Operationszentrum in Kundus angemeldet. Die Meldung blieb dem Bericht zufolge dort aber hängen.
Die Nato-Ermittler monieren in dem geheimen Bericht laut "Spiegel" außerdem, dass die Deutschen gemäß den Einsatzregeln den Unglücksort hätten sichern müssen, bis lokale Sicherheitskräfte eingetroffen wären. Dies sei aber nicht geschehen.
Die Bundeswehr, deren Feldjäger eine eigenständige Untersuchung des Vorfalls durchführten, sehe trotz der Kritik der Nato kein Fehlverhalten bei den deutschen Soldaten. In einer vertraulichen Unterrichtung für das Parlament habe die Truppe mitgeteilt, es sei "kein Dienstvergehen der an dem Zwischenfall beteiligten deutschen Soldaten festzustellen".
Unabhängig von der Bewertung der Bundeswehr prüfe mittlerweile die Bundesanwaltschaft, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt.
Am Tag des Zwischenfalls - dem 2. April - waren nahe Kundus bei Gefechten drei deutsche Soldaten getötet worden.
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