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Judenhass vor laufender Kamera
Mann beschimpft jüdischen Restaurantbesitzer in Berlin

Berlin: Antisemit bedroht einen jüdischen Restaurantbesitzer
Ein Mann mit einer Kippa auf dem Kopf (Symbolbild). FOTO: dpa, Sebastian Kahnert
Berlin. Vor seinem Restaurant im Berliner Stadtteil Schöneberg wird der Israeli Yorai Feinberg von einem Antisemiten rassistisch beschimpft und bedroht. Nun ermittelt die Polizei gegen den Mann. 

Yorai Feinberg habe in den vergangenen fünf Jahren viel erlebt. Beschimpfungen am Telefon und anti-israelische Demonstrationen gehören für den Restaurantbesitzer zur Normalität. Doch was er am vergangenen Dienstagnachmittag direkt erleben musste, schockierte den 36-Jährigen dann doch.

Als Feinberg und seine Freundin vor dem Ladenlokal eine Zigarette rauchen, taucht ein Mann auf. "Der Typ sah die Menora in meinem Schaufenster und hat plötzlich angefangen loszubrüllen", berichtet Feinberg am Tag danach dem "Spiegel". Seine Freundin filmte die Szene mit ihrem Smartphone.

"Alle wieder zurück in eure blöde Gaskammer, keiner will euch hier", sagt der offenbar betrunkene Mann. "Warum beschimpfen Sie mich?", fragt Feinberg, der den Unbekannten mehrfach auffordert, weiterzugehen. "Weil du hier bist - in meinem Land", antwortet er.

Antisemitismus in Berlin 2017 - Restaurant Feinberg's In den letzten Wochen wurde das Thema Antisemitismus in Deutschland mal wieder heiß diskutiert. Aus den einschlägigen Ecken hieß es direkt, dass die Angstgefühle von jüdischen Menschen und Israelis in Deutschland oft überzogen sind, man sich ja generell gerne in die Opferrolle flüchte und die vielen Attacken nur bedauerliche Einzelfälle seien. Doch es sind keine Einzelfälle. Solche Angriffe passieren nun mehr fast täglich und sie werden immer intensiver. Die Täter verlieren ihre Scham, weil Sie denken, Sie könnten ihr wahres Gesicht hinter dem schönen Begriff der "legitimen Israelkritik" verstecken. Doch am Ende bleibt es nur blanker Hass. Hass gegen Juden. Hass gegen Israel. Es ist wirklich schwer bei diesen Bildern noch die Fassung zu bewahren und rational einen Beitrag dazu zu verfassen, doch ich möchte allen danken, die sich Tag für Tag, trotz aller widrigen Umstände, in Deutschland für den Kampf gegen Antisemitismus einsetzen und Gesicht zeigen. Ob in der Politik oder privat. Zusammen, müssen wir uns weiter dafür einsetzen, dass antisemitische Attacken stärker verfolgt und geahndet werden, dass es nicht zu tolerieren ist, dass israelische Fahnen in Deutschland verbrannt werden, oder das Existenzrecht Israels in Frage gestellt wird. Never again.

Posted by Tabea Johanna Krause on Mittwoch, 20. Dezember 2017

"Euch lieben wir nicht"

Das sechsminütige Video, das auf Facebook veröffentlicht wurde, zeigt einen Mann, der seine antisemitische Haltung offen vor der Kamera preisgibt. "Wir lieben euch nicht. Du hast keine Heimat", legt er nach. Als Feinberg sagt, dass das Antisemitismus auf offener Straße sei, entgegnet ihm der Fremde: "Ja, das bin ich auch."

Bei üblen Beschimpfungen bleibt es nicht. Er spricht gegenüber Feinberg und seiner Freundin eine Morddrohung aus: "Du kriegst auch deine Rechnung, in zehn Jahren bist du nicht mehr da." Er hat die Drohung noch nicht ganz ausgesprochen, als eine Polizeistreife vor dem Restaurant hält. "Die Juden lügen, die Juden lügen", ruft der Mann. Die Beamten bitten die Freundin, die Videoaufnahme zu beenden.

Die Polizisten legten dem Mann Handfesseln an und nahmen ihn mit. Der 60-Jährige sei aggressiv gewesen und habe auch die Polizisten beleidigt, erklärte die Polizei. Der Mann kam später wieder frei. Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt ermittelt nun unter anderem wegen Volksverhetzung gegen ihn.

Der Mann ist bei der Polizei schon seit längerem bekannt. "Aber nicht wegen derartiger Delikte", sagte ein Polizeisprecher. Nähere Angaben zu etwaigen Straftaten wurden nicht gemacht.

"Es wird immer weniger gegen Antisemiten vorgegangen"

"Deutschland nimmt keine gute Entwicklung", sagte der Restaurantchef dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nach dem Vorfall. "Es wird immer weniger gegen Antisemiten vorgegangen. Immer mehr gilt als legitime Israel-Kritik. Und dann passiert so etwas. Der Mann fühlte sich völlig sicher."

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Feinbergs Freundin, die das Video hochgeladen hatte, erklärte auf Facebook, es handele sich nicht um Einzelfälle: "Solche Angriffe passieren nunmehr fast täglich und sie werden immer intensiver. Die Täter verlieren ihre Scham, weil sie denken, sie könnten ihr wahres Gesicht hinter dem schönen Begriff der "legitimen Israelkritik" verstecken. Doch am Ende bleibt es nur blanker Hass. Hass gegen Juden. Hass gegen Israel."

(laha)
 
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