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Bertelsmann-Stiftung
Flüchtlingshelfer nach Anschlägen wichtiger denn je

Bertelsmann-Stiftung: Flüchtlingshelfer nach Anschlägen wichtiger denn je
Flüchtlinge aus Afghanistan während einer Sprechstunde für Flüchtlinge des Projektes "Ankommen" in Dortmund. FOTO: dpa, mjh fpt
Gütersloh . Nach den von Flüchtlingen begangenen Gewalttaten in Deutschland kommt den freiwilligen Helfern vor Ort laut einer Studie mehr denn je eine zentrale Rolle zu. Ihre Arbeit verstärke "unverkennbar eine positive Stimmung" gegenüber Flüchtlingen.

"Diese Dimension des Engagements hat politische Wirkung gegen rechte Stimmungsmache", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung. Diese hatte im Januar und März in bundesweit 17 Kommunen untersucht, wie ehrenamtliche Flüchtlingshilfe vor Ort funktioniert und welche Bedingungen es für eine erfolgreiche Arbeit braucht.

Helfer übernehmen Aufgaben, die der Staat leisten müsste

Städte und Gemeinden seien gut beraten, mehr Koordinierungsstellen aufzubauen und freiwilliges Engagement öffentlich mehr anzuerkennen, mahnten die Forscher. Die Helfer übernähmen in der Flüchtlingsarbeit Aufgaben, die normalerweise der Staat leisten müsste, zum Beispiel die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Wohnraum.

Zudem fungierten die Helfer als "Brücke" zwischen den Geflüchteten und den Behörden und übernähmen wichtige Lotsenfunktionen. Sie begleiten die Asylbewerber demnach auf Behördengängen, bei ersten Schritten in Schulen oder Praktika und setzen sich für eine frühzeitige Sprachförderung ein. Damit sorgten sie dafür, dass Flüchtlinge Angebote zur Integration überhaupt wahrnehmen könnten. Ohne die ehrenamtlichen Initiativen hätten die in Not- und Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Flüchtlinge "wenig Kontakt mit der Zivilgesellschaft".

Aufwand von bis zu 40 Stunden in der Woche

Die Kommunen müssten die Helfer koordinierend unterstützen, denn der Aufwand von bis zu 40 Wochenstunden für die Koordinationsarbeit sprenge den Umfang für ein Ehrenamt, hieß es. Es müsse ausreichend Stellen für Koordinatoren geben. Zudem seien mehrsprachige Verwaltungsmitarbeiter nötig. Bislang müssten oft ehrenamtliche Dolmetscher einspringen, was "kein akzeptabler Dauerzustand" sei.

Zudem sollten Flüchtlinge stärker eingebunden werden. Schon jetzt seien einige von ihnen als Bundesfreiwillige oder Dolmetscher aktiv. Sie könnten die Bedarfe in den Unterkünften sehr gut ermitteln. 

Ein vermutlich aus Afghanistan stammender Flüchtling hatte am 18. Juli bei Würzburg fünf Menschen mit einer Axt schwer verletzt, ehe er von der Polizei erschossen wurde. Knapp eine Woche später sprengte sich ein syrischer Flüchtling in Ansbach in die Luft und verletzte 15 Menschen. In beiden Fällen ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Terrorverdachts.

Nach den Anschlägen sei das freiwillige Engagement umso wichtiger, und es zeige sich einmal mehr, dass die Arbeit der Helfer "entscheidend" sei für die Integration, erklärte die Bertelsmann-Stiftung.

(afp/jeku)
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