Tod einer Diabetikerin: Berufsverbot für Mannheimer Arzt
zuletzt aktualisiert: 16.09.2008 - 17:53Mannheim (RPO). Nach dem Tod einer 82-jährigen Diabetikerin ist ein Arzt in Mannheim zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zudem erhält der 64-Jährige fünf Jahre Berufsverbot. Das Landgericht Mannheim verurteilte den Mann am Dienstag wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung sowie wegen Urkundenfälschung.
Das Strafmaß blieb deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die wegen versuchten Mordes auf vier Jahre und zwei Monate Gefängnis plädiert hatte.
Dem Arzt war vorgeworfen worden, die medikamentöse Behandlung der Frau willkürlich abgebrochen und die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr stark reduziert zu haben, um ihren Tod herbeizuführen. Die Frau starb im Juli 2004, nachdem der nunmehr unbehandelte Diabetes zu einem Nierenversagen geführt hatte. Sie hatte zuvor bereits mehrere Schlaganfälle erlitten. Zudem wurde eine Herz- und eine Niereninsuffizienz festgestellt.
Der Arzt hatte vor Gericht den Vorwurf des versuchten Mordes zurückgewiesen. Er gestand aber ein, die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt zu haben, um das Leiden der Frau zu verkürzen. Diese habe auch an Demenz gelitten und sei bettlägerig gewesen. Die Frau habe die per Sonde verabreichte Nahrung erbrochen. Er habe im Sinne der Patientin gehandelt, erklärte der 64-Jährige vor Gericht.
Medizinische Gutachten ergaben, dass nicht eindeutig feststeht, ob die Vorgehensweise des Arztes den Tod herbeiführte. Der Mediziner hatte eine gefälschte Patientenverfügung der 82-Jährigen vorgelegt, weswegen er auch wegen Urkundenfälschung verurteilt wurde. Er erklärte vor Gericht, er bereue diese Dummheit zutiefst.
Verteidiger Eddo Compart zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Dennoch wünsche er sich, dass dem Bundesgerichtshof in absehbarer Zeit ein Fall vorgelegt werde, der sich endlich für ein Grundsatzurteil zur Sterbehilfe eigne. "Die derzeitige Rechtsprechung lässt Mediziner, die mit todkranken Menschen zu tun haben, in einer Grauzone zurück", sagte er gegenüber AP. Solange sich die gesetzlichen Regelungen nicht änderten, werde es Fälle wie diese geben.
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