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  Foto: AP, AP
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Untersuchungskommission auf "Gorch Fock": Besatzung schreibt Guttenberg Protestbrief

zuletzt aktualisiert: 28.01.2011 - 21:47

Ushuaia (RPO). Die Besatzung des Bundeswehr-Schulschiffs "Gorch Fock" hat Medienberichten zufolge in einem offenen Brief an Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gegen die Ablösung ihres Kommandanten Norbert Schatz protestiert.

"Uns ist allen mehr als unverständlich, einen Kommandanten, der allseits beliebt ist, gut zu seiner Besatzung war und viele Entbehrungen auf sich und seine Familie genommen hat, um das Schiff gut zu führen, so abzuservieren, wie es hier der Fall war", zitierte die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" vom Samstag aus dem Schreiben mit Datum vom Freitag. "Auch fehlte uns der Rückhalt unserer übergeordneten Dienststellen", hieß es weiter.

Das Verteidigungsministerium bestätigte zunächst nur die Existenz des Briefs, aus dem auch andere Medien zitierten. "So lange wir nicht wissen, wer den Brief geschrieben hat, können wir aber nichts über dessen Echtheit sagen", sagte ein Ministeriumssprecher einer Nachrichtenagentur am Freitagabend.

Marine möchte an Segelschulschiff festhalten

Die Marine möchte die traditionsreiche "Gorch Fock" trotz der jüngsten Vorwürfe gern weiter als Segelschulschiff nutzen. "Die Marine plant, Mitte nächsten Jahres wieder Kadetten an Bord dieses Schiffes auszubilden", sagte der Leiter der Untersuchungskommission, Konteradmiral Horst-Dieter Kolletschke, am Freitag in der argentinischen Hafenstadt Ushuaia.

Dort liegt die Dreimast-Bark derzeit vor Anker. Endgültig soll über die Zukunft der "Gorch Fock" nach Abschluss der Untersuchungen entschieden werden. Etliche Abgeordnete des Wehrausschusses haben bereits dafür geworben, die Ausbildung auf dem Schiff fortzusetzen.

Die "Gorch Fock" soll in den kommenden Tagen Vorräte aufnehmen und dann die Rückreise in ihren Heimathafen Kiel antreten. "Wir planen, dass wir hier noch bunkern und circa am 30. Januar auslaufen, die Rückreise antreten über Valparaiso und dann weiter nach Deutschland", sagte Kolletschke, der Chef des Marineamtes.

Die Rückfahrt werde bis Anfang Mai dauern. Dann falle die Entscheidung, wie es mit der Ausbildung weitergehe. "Wir planen, im nächsten Jahr die Offizierausbildung an Bord dieses Schulschiffes fortzusetzen mit der neuen Crew", fügte Kolletschke hinzu.

Die Befragung der ersten Soldaten habe bereits begonnen. Die Ermittler wollten mit allen Besatzungsmitgliedern an Bord sprechen und mit den Kadetten, die inzwischen wieder in Deutschland sind. "Wir glauben dann, dass wir ein umfassendes Bild haben", sagte der Konteradmiral.

Das Untersuchungsteam an Bord des Schiffes besteht aus rund zehn Personen. Neben drei Rechtsberatern sowie Mitarbeitern aus dem Büro des Wehrbeauftragten zählt dazu auch der Havariebeauftragte der Marine, Michael Brühn. Er soll das Schiff zurück nach Deutschland bringen.

Der 55-Jährige war von August 2001 bis Februar 2006 selbst Kommandant des Schiffes. Vor einer Woche hatte Guttenberg Schatz abgesetzt und das Schiff zurück in seinen Heimathafen Kiel beordert. Ein zweites Untersuchungsteam soll an der Marineschule Mürwik in Flensburg die im Raum stehenden Vorwürfe prüfen.

Die Besatzungsmitglieder seien betroffen über die Vorwürfe, aber bereit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Niemand verweigere die Auskunft. In etwa zwei Wochen sollten die Ermittlungen beendet sein. "Anschließend werde ich dem Inspekteur der deutschen Marine einen Bericht vorlegen", kündigte Kolletschke an.

Der Chef des Marineamtes wies darauf hin, dass seine Kommission nicht den tödlichen Sturz einer Kadettin aus der Takelage der "Gorch Fock" im November untersuche. Damit befasse sich die Staatsanwaltschaft. Es gehe vielmehr um die anderen Vorwürfe, die erhoben worden seien.

Mit im Team Kolletschkes sind drei Juristen des Marineamtes sowie zwei Mitarbeiter des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus, der die Vorgänge auf der "Gorch Fock" bekanntgemacht hatte. Gemeinsam mit den Ermittlern war auch Kapitän Michael Brühn in Feuerland eingetroffen, der vorübergehend das Kommando auf der "Gorch Fock" übernehmen und sie in ihren Heimathafen Kiel zurückbringen soll. Den Kapitän des Schiffes, Norbert Schatz, hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bis zur Klärung der Vorwürfe vom Dienst suspendiert.

Kadetten des Schiffes hatten sich über Schikanen, Alkoholexzesse an Bord und sexuelle Nötigung beklagt. Sie seien trotz Höhenangst unter Drohungen mit beruflichen Konsequenzen zum Aufentern in die höchsten Segel in bis zu 45 Metern Höhe genötigt worden, berichteten Offiziersanwärter den Mitarbeitern des Wehrbeauftragten Königshaus.

Eskaliert war die Lage nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin aus der Takelage Anfang November. Bereits wenige Tage danach hätten viele Vorgesetzte wieder mit Alkohol laut gefeiert und am 11. November - vier Tage nach dem Unfall - eine Party veranstaltet.

Guttenberg war von der Opposition kritisiert worden, weil er zunächst vor Vorverurteilungen warnte, dann jedoch nur wenige Stunden später den Kapitän der "Gorch Fock" suspendierte. Vor dem Wehrausschuss verteidigte der Minister jedoch sein Vorgehen. Wegen des wachsenden öffentlichen Drucks sei es ihm darum gegangen, den Kommandanten und die Mannschaft zu schützen und eine sachliche Aufklärung zu fördern, betonte Guttenberg.

Ob die "Gorch Fock" jemals wieder als Segelschulschiff in See stechen wird, ist derzeit offen. Nur wenige Tage vor Bekanntwerden der Vorwürfe hatte sie erstmals das berüchtigte Kap Hoorn umsegelt, der Höhepunkt ihrer Karriere seit der Indienststellung 1958. Auf dem Segelschulschiff wurden über 14.500 Offiziers- und Unteroffiziersanwärter ausgebildet, während es rund 750.000 Seemeilen zurücklegte, was beinahe 35 Erdumrunden entspricht.

Auch Guttenberg ist gegen Stillegung der "Gorch Fock"

Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will eine Stilllegung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" trotz des Wirbels um ungeklärte Todesfälle möglichst vermeiden. "Es wäre wunderbar, wenn die 'Gorch Fock' weiter segeln könnte", sagte der CSU-Politiker.

Er wies erneut den Vorwurf zurück, bei der Suspendierung des Schiffskommandanten Norbert Schatz auf Druck der Boulevardpresse gehandelt zu haben. Grundlage seiner Entscheidung seien ausschließlich eigene Überzeugungen sowie Empfehlungen der Militärführung gewesen. "Der Vorwurf des Bauernopfers ist schlicht eine Frechheit", sagte er.

Kieler Landtag bekennt sich zur "Gorch Fock"

Die Affäre um die Dreimast-Bark beschäftigte am Freitag auch den schleswig-holsteinischen Landtag. CDU, SPD, FDP, Grüne und Südschleswigscher Wählerverband (SSW) bekannten sich in einer gemeinsamen Resolution zu dem Patenschiff des Parlaments. SPD-Fraktionschef Ralf Stegner kritisierte Guttenbergs Handeln in der Affäre. "Die 'Gorch Fock' darf nicht ein Bauernopfer in der Imageerhaltung des Verteidigungsministers sein", mahnte er. Die Linke verweigerte als einzige Fraktion ihre Unterstützung für die Resolution und forderte die Außerdienststellung der 'Gorch Fock'.

Quelle: RTR/dapd/afp

 
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