Brand gefährlicher als angenommen: Betreiber des AKW Krümmel unter Druck
zuletzt aktualisiert: 04.07.2007 - 16:02Kiel (RPO). Das Feuer im AKW Krümmel hatte offenbar doch gefährlichere Auswirkungen als bisher angenommen. Der Brand habe auch Auswirkungen auf das Reaktorgebäude gehabt, teilte das Kieler Sozialministerium. Jetzt gerät der Betreiber des Kraftwerks wegen seiner zögerlichen Informationspolitik unter Druck.
Der Konzern Vattenfall wirke unglaubwürdig, wenn erst jetzt zugegeben werde, dass der Zwischenfall schwerer gewesen sei als angenommen, erklärte der Umweltverband BUND am Mittwoch. Der BUND forderte von Vattenfall volle Transparenz bei der Aufklärung der Brandursachen und möglicher Gefahren.
Nach Angaben der Reaktoraufsicht war es bei der Schnellabschaltung nach dem Trafo-Brand am vergangenen Donnerstag "durch ein unplanmäßiges Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen zu einem schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter" gekommen.
Außerdem war eine von mehreren Speisewasserpumpen ausgefallen. "Es war trotzdem jederzeit genügend Wasser über den Brennstäben", sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Trotz dieser Auffälligkeiten sei die Sicherheit der Anlage gewährleistet gewesen.
Vattenfall Europe hat die Behörde nach Unternehmensangaben bereits am Donnerstag über Auffälligkeiten bei der Abschaltung des Atommeilers in Kenntnis gesetzt. "Wir haben die Öffentlichkeit sofort über den Trafo-Brand und die Schnellabschaltung des Kraftwerks informiert", sagte Geschäftsführer Bruno Thomauske in Hamburg. Das Unternehmen habe der Aufsichtsbehörde ordnungsgemäß Auffälligkeiten im Ablauf unmittelbar gemeldet. Er fügte hinzu: "Die Anlage war zu jedem Zeitpunkt in einem sicheren Zustand."
Die Umweltorganisation BUND warf dem Konzern vor, unglaubwürdig zu wirken, wenn erst jetzt zugegeben werde, dass der Zwischenfall schwerer gewesen sei als angenommen. Der Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein unterstellte den Betreibern eine Verharmlosung des Unfalls. Der Kieler Grünen-Landtagsabgeordnete Detlef Matthiessen sprach dem Konzern ab, ein zuverlässiger AKW-Betreiber zu sein.
Die beiden Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel waren am Donnerstag vergangener Woche abgeschaltet worden, nachdem es zunächst in Brunsbüttel einen Kurzschluss gegeben hatte. Dabei kam es zu einem Schwelbrand an der Turbine. Knapp zwei Stunden später brach auf dem Gelände des KKW Krümmel in einem Transformatorgebäude ein Feuer aus. Nach Angaben von Vattenfall hatte ein Kurzschluss im Transformator dort Öl entzündet. Brunsbüttel ist seit Sonntagnachmittag wieder am Netz.
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