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Bielefeld
Mordkommission ermittelt wegen totem Säugling

Chronik: Gewalt an Kindern in Deutschland
Chronik: Gewalt an Kindern in Deutschland FOTO: dapd, dapd
Bielefeld. Wieder gibt es einen Fall von gewaltsamem Baby-Tod in Deutschland: Den Tod eines dreieinhalb Monate alten Säuglings aus Bielefeld untersucht eine Mordkommission.

Vermutlich sei der Junge durch Gewalteinwirkung gestorben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Die Ermittler hatten am Samstag von dem toten Baby erfahren und eine Obduktion angeordnet. Dabei seien mehrere Verletzungen festgestellt worden, die auf Gewalteinwirkung hindeuteten. Weitere Einzelheiten wollte die Polizei am Dienstag zunächst aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

In den vergangenen Jahren haben mehrfach Babyleichen-Funde in Deutschland für Entsetzen gesorgt. Beispiele für Fälle mit mehr als einem toten Neugeborenen:

September 2014: Die Polizei findet zwei tote Neugeborene in einem Schließfach des Hamburger Hauptbahnhofs. Der Mutter war schon einige Jahre zuvor eine Babyleiche zugeordnet worden. Damals konnte nicht ermittelt werden, ob das Kind tot zur Welt kam. Die Frau begibt sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik.

August 2014: In den Wohnungen einer 32-Jährigen in Siegen und Bonn (NRW) werden in Gefrierschränken versteckte Babyleichen entdeckt. Sie wird zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Oktober 2013: In Oberfranken werden bei Bauarbeiten im Garten eines Mehrfamilienhauses zwei Babyleichen entdeckt. Die Mutter soll sie in den 80er Jahren unversorgt gelassen und vergraben haben. Das Landgericht Hof urteilt 2014, dass ihr die Taten nach mehr als 25 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden können.

März 2013: Eine 28-Jährige aus Husum in Schleswig-Holstein gesteht die Tötung ihrer fünf Kinder. 2006 war in Nordfriesland eine Babyleiche gefunden worden, 2007 eine weitere im Kreis Schleswig-Flensburg. Im Keller der Frau wurden später drei weitere Leichen entdeckt. Die Frau muss für neun Jahre ins Gefängnis.

Mai 2008: In einer Gefriertruhe in Wenden in Nordrhein-Westfalen werden drei Leichen entdeckt. Eine 44-Jährige gesteht, die Mädchen 1986, 1988 und 2004 geboren und nach deren Tod versteckt zu haben.

Juli 2005: Auf einem Grundstück in Brieskow-Finkenheerd (Brandenburg) werden bei einer Entrümpelung neun Babyleichen entdeckt. Die Mutter der Kinder hatte sie in einem mit Sand gefüllten Aquarium, in Eimern und Blumenkübeln versteckt.

Dezember 2000: Bei Kleinrudestedt in Thüringen werden die Leichen von drei Neugeborenen gefunden. Die Mutter hatte die Babys nach den Geburten zwischen 1994 und 1999 getötet und in der Umgebung abgelegt.
2001 wird sie zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Juni 1999: In der Tiefkühltruhe eines Ehepaares in Mühltroff (Sachsen) findet die Polizei die tiefgefrorenen Leichen von drei Neugeborenen. Die Babys wurden kurz nach der Geburt erstickt. Gegen die Mutter war schon 1993 ergebnislos wegen Kindstötung ermittelt worden. Im Jahr 2000 wird sie zu dreizehneinhalb Jahren verurteilt.

(felt/lnw)
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