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APTOPIX Bangladesh Factory Fire
  Foto: dapd, Khurshed Rinku
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Was wir mit Toten in Bangladesch zu tun haben: Billig-Mode aus dem Elend

zuletzt aktualisiert: 27.11.2012 - 21:43

Kleidung in Deutschland kostet nicht viel. Oftmals, weil sie in Billiglohnländern unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird. Die Brand-Katastrophe in Bangladesch mit mehr als 120 Toten ruft das Elend zurück ins Bewusstsein. Die Macht etwas daran zu ändern, haben wohl nur die Verbraucher.

Woher kommt unsere Kleidung? Und wie wurde sie dort produziert? Nach dem Brand in Bangladesch mit über 100 Toten werden zunehmend Fragen an Konsumenten und Produzenten gestellt.

Das Elend hat System. Im internationalen Wettbewerb gewinnt das preisgünstigste Angebot. Die Selbstverpflichtungen von Modeketten und Herstellern reichen oftmals nicht bis in die Nähfabrik hinein. Zwischenlieferanten und Sub-Unternehmen machen die Produktionsketten undurchsichtig.

Arbeiten wie im Gefängnis

Meistens sind es Frauen, die als Näherinnen darunter leiden. Sie verdienen in Bangladesch umgerechnet 46 Euro im Monat. Nach Angaben der "Kampagne für saubere Kleidung" beträgt der Anteil der Lohnkosten am Endpreis gerade mal 1 Prozent.

Die Arbeitsbedingungen spotten jeder Beschreibung. Überstunden werden vorausgesetzt, Aufstehen ist notfalls nur für eine Toilettenpause erlaubt, Elektrokabel baumeln lose von der Decke - so beschreiben es Aktivisten. Sicherheit spielt demnach sowieso keine Rolle. Falls es überhaupt Notausgänge gibt, sind sie ebenso verschlossen wie die vergitterten Fenster. Nach Angaben der "Kampagne für saubere Kleidung" starben seit 2006 über 470 Menschen, vor allem Frauen, aufgrund von Bränden in den Textilfabriken Bangladeschs.

Schwere Vorwürfe gegen den Fabrik-Direktor

So wie auch die inzwischen mehr als 120 Menschen, die am Sonntag durch den Brand in einer Fabrik in Dhaka ums Leben kamen. Ihre Angehörigen schwankten am Wochenende zwischen Verzweiflung und hilfloser Wut auf die Verantwortlichen. Noch immer fahndet die Polizei nach dem Besitzer. Er soll unter anderem zu den Vorwürfen befragt werden, wonach Bauvorschriften bei der neunstöckigen Fabrik nicht eingehalten wurden. Auch gebe es Berichte, wonach Manager der Fabrik trotz des Feuers den Arbeitern verboten hätten, das Gebäude zu verlassen. Den Arbeitern sei gesagt worden, es handele sich um eine Brandschutzübung.

Die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken müssten von den Unternehmen dringend geprüft werden, forderten mehrere Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen am Dienstag. Politiker appelllierten an die Verbraucher, auf die Herkunft ihrer Kleidung zu achten. Beim Kauf von Billigstprodukten sollten Kunden auch an die Situation in den Herstellerländern denken, sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) der Nachrichtenagentur dpa.

Niebel beschwört die Macht der Verbraucher

Der US-Handelsriese Wal-Mart, der wie C&A auch in der Unglücksfabrik herstellen ließ, hat derweil einem Lieferanten gekündigt. Die Fabrik in Bangladesch sei zwar schon länger nicht mehr mit Aufträgen bedacht worden, erklärte das Unternehmen. Allerdings habe der Lieferant die Fabrik ohne Erlaubnis als Subunternehmer eingesetzt. Die Fabrik Tazreen Fashion Limited gehört zur Tuba Group, die laut Unternehmenshomepage unter anderem für C&A, Carrefour und Wal-Mart produziert.

Niebel meinte, der Verbraucher könne seine Marktmacht einsetzen.
"Wer ein T-Shirt für 99 Cent kauft, der muss - bei aller Freude über den niedrigen Preis - wissen, dass dieser niedrige Preis auf Kosten der Erzeuger geht - häufig in Entwicklungsländern." Auch Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm forderte ein neues öffentliches Bewusstsein. "Wir brauchen so eine Welle, dass es für die Schnäppchenjäger Grenzen der Menschlichkeit gibt", sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

Bangladesch hisst schwarze Flaggen

In Bangladesch hissten die Textilfabriken am Dienstag im ganzen Land schwarze Flaggen. An Regierungsgebäuden und Privathäusern wehten die Nationalflaggen auf halbmast, da der Tag von der Regierung zum offiziellen Trauertag erklärt worden war. Mehrere Tausend Arbeiter zogen nach Polizeiangaben in Trauerumzügen durch das Industriegebiet Ashulia in der Nähe der Hauptstadt Dhaka. Sie trugen schwarze Fahnen und Trauerbinden.

Die Organisationen Medico international, Kampagne für Saubere Kleidung und das European Center for Constitutional and Human Rights schrieben in einem Aufruf: "Wir fordern alle Unternehmen, die in Bangladesch einkaufen, auf, endlich ihrer nötigen Sorgfaltspflicht nachzukommen." Auch sollten sie nach dem Brand eine angemessene Entschädigung zahlen.

Der deutsche Discounter KiK hingegen sieht das Problem in den asiatischen Fabriken. "Es gibt Brandschutzprogramme, Informationsmaterial für Mitarbeiter wie Filme oder Plakate. Es ist alles da, um Großbrände zu verhindern. Aber ich sehe eine Umsetzungslücke", sagte KiK-Geschäftsführer Michael Arretz der Zeitung "Die Welt". Auch Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina rief die Fabrikbesitzer dazu auf, mehr auf Arbeitssicherheit zu achten.

Quelle: dpa/AFP/pst
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