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Zahl nimmt zu
Bis zu 1000 Konversionen zum Judentum pro Jahr

Bis zu 1000 Konversionen zum Judentum pro Jahr
Die Zahl der Konversionen zum Judentum in Deutschland ist steigend. FOTO: dpa, pdz gfh
Berlin. In Deutschland konvertieren bis zu 1000 Menschen im Jahr zum Judentum. Das sagte die Judaistin Barbara Steiner am Dienstagabend.

Die Orthodoxe und die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands gehen demnach zusammen von etwa 500 Konversionen pro Jahr aus. Daneben gebe es aber noch zahlreiche andere Strömungen im Judentum, etwa die Bewegung Chabad Lubawitsch, bei denen Konversionen möglich seien.

Expertin promovierte über Konversion

Steiner hatte im Juli 2014 am Moses-Mendelssohn-Zentrum der Universität Potsdam zum Thema "Konversion nichtjüdischer Deutscher zum Judentum in Deutschland nach 1945 – Motive, biographische Konstruktionen und Konfliktfelder" promoviert. Für diese Arbeit erhielt sie den Nachwuchswissenschaftler-Preis der Stadt Potsdam.

Steiner zufolge gibt es zwei Gruppen von Menschen, die zum Judentum konvertieren. Einerseits handle es sich um Leute mit familiären Beziehungen zu Juden, etwa Ehegattinnen jüdischer Männer oder Kinder jüdischer Väter. Andererseits gebe es aber zunehmend auch Christen, die das Judentum interessant oder eine Konversion "einfach nur schick" fänden.

Konversionen nehmen zu

Ihre Zahl habe sich seit den 1950er Jahren des 20. Jahrhunderts immer weiter erhöht – etwa, weil sich Jugendliche von der Generation ihrer Eltern absetzen wollten oder Menschen Schuldkomplexe wegen des Nationalsozialismus' hätten. Heute gebe es eine "Subkultur aus deutschen Konvertiten mehrheitlich protestantischer Herkunft, die das liberale Judentum in Deutschland prägen", so Steiner. In umgekehrter Richtung seien Konversionen dagegen zumindest nicht aktiv erwünscht.

Wie der Vizepräsident der Akademie, der Berliner Theologe Christoph Markschies, berichtete, plant die Anfang November in Magdeburg zusammenkommende Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Erklärung gegen die Judenmission. Sie solle festhalten, dass "Christen ungeachtet ihrer Sendung in die Welt nicht dazu berufen seien, Israel den Weg zu seinem Gott zu weisen". Markschies ist auch Vorsitzender der Kammer für Theologie der EKD.

(bur/KNA)
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