Neue Vorwürfe: Bischof Mixa soll alkoholkrank sein
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 21.06.2010 - 07:57(RP). Der Papst soll selbst auf eine "Auszeit" des zurückgetretenen Augsburger Bischofs hingewirkt haben. Benedikt XVI. lagen offenbar brisante Unterlagen mit Hinweisen auf eine Alkoholkrankheit und Missbrauchsfälle vor. Die katholische Kirche zeigt sich besorgt, angesichts neuer Enthüllungen um den zurückgetretenen Augsburger Bischof Walter Mixa weniger Gehör für ihre eigentlichen Anliegen zu finden.
In der aktuellen Spardebatte dürfe die Kirche nicht schweigen und müsse überall die Stimme erheben, wo die Gefahr bestehe, dass Arme, Schwache und Benachteiligte übersehen würden, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gestern im Kloster Andechs. Zugleich würden jedoch "innerkirchlich Gräben aufgerissen und Mauern errichtet, wo es doch so notwendig wäre, Brücken zu bauen". Eindringlich mahnte Zollitsch: "Jesus will Gemeinschaft, keine Ansammlung von Individualisten und Einzelkämpfern."
Mixa hatte sich in den vergangenen Tagen als eine Art Einzelkämpfer aufgeführt, seinen Rücktritt zurückgezogen und ein Überprüfungsverfahren im Vatikan öffentlich in Erwägung gezogen. Diese Ankündigungen begleitete er mit scharfen Vorwürfen an die Adresse von Zollitsch und Erzbischof Reinhard Marx. Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen ihn seien die beiden zum Papst geeilt und hätten ihm "als Trumpf den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen, der de facto auf nicht mehr beruhe als auf acht handschriftlichen Sätzen einer höchst dubiosen hingekritzelten Notiz". Damit hätten die beiden "nicht brüderlich" den Papst unter Druck gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen wegen des Missbrauchsverdachtes wieder eingestellt. Da hatte der Papst das Rücktrittsgesuch aber schon angenommen.
Wie am Wochenende via "Focus" bekannt wurde, verhielten sich die Vorgänge zwischen den deutschen Bischöfen und dem Papst möglicherweise jedoch völlig anders. Nach dem Hickhack um die zunächst abgestrittenen, später eingeräumten Handgreiflichkeiten Mixas gegen Schutzbefohlene soll Papst Benedikt selbst die katholische Kirche in Deutschland aufgefordert haben, auf Mixas Amtsverzicht hinzuwirken. Danach soll er zunächst seinen Nuntius in Deutschland damit beauftragt haben, Mixa für eine "Auszeit" zu gewinnen. Nachdem der Angesprochene aber nicht darauf eingegangen sei, habe der Papst die beiden Erzbischöfe gebeten, auf Mixa Einfluss zu nehmen.
Laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" haben dem Papst ohnehin andere Berichte längst vorgelegen, die aus dem Umfeld Mixas stammen sollen. Von seinen Mitarbeitern sei dieser als schwer alkoholkrank geschildert worden. Seine Arbeits- und Wahrnehmungsfähigkeit sei massiv beeinträchtigt, Gute Ratschläge Wohlmeinender lasse er an sich abprallen, zudem hätten zwei Priester unabhängig voneinander von sexuellen Übergriffen Mixas Mitte der 90er Jahre berichtet.
Die bayerische Bischofskonferenz unterstrich inzwischen, beim Rücktritt Mixas sei "alles rechtmäßig gelaufen". Mixa hatte behauptet, der Druck, unter dem er die vorgefertigte Resignation unterschieben habe, sei "wie ein Fegefeuer" gewesen. Daraufhin entgegnete die Bischofskonferenz, sie sehe – nicht zuletzt zum Schutz Mixas – davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten. Sie charakterisierte ihn aber zugleich indirekt als Gemütskranken: "Wir wünschen ihm gute Genesung. Sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein erster Schritt." Auch der frühere Redaktionschef von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, lernte Mixa nach eigenen Angaben als "kranken Mann" kennen, der in zwei verschiedenen Welten lebe.
Auf Kritik war zudem Mixas Rückkehr ins bischöfliche Ordinariat von Augsburg gestoßen. Eine Woche nach dem Wiedereinzug in seine früheren Diensträume sagte ein Vertrauter am Wochenende, Mixa wolle sich nun eine Wohnung oder ein Haus außerhalb des Palais mieten. Er wolle zudem trotz aller Vorwürfe und Diskussionen um seine Person weiterhin als Priester tätig sein.
In seiner Predigt zum Dreihostienfest in Kloster Andechs ging Erzbischof Zollitsch nicht namentlich auf Mixa ein. Er fügte seinen Hinweisen auf die innerkirchlich aufgerissenen Gräben jedoch die zuversichtliche Feststellung hinzu: "Wir sind gemeinsam auf dem Weg." Es gehe nun darum, "einander die Hand zur Versöhnung" zu reichen.
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